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05.11.2004
RHEIN MAIN PRESSE

Der Ordnungsfanatiker (Hier im Bild)
und die wirre Kunst
Das Schweizer Kabarettisten-Duo Ursus und Nadeschkin mit seinen "Hailights" im "unterhaus"
Vom 05.11.2004
jgw. Es ist mittlerweile Mode unter Kabarettgrößen, sich irgendwann zurückzulehnen und dem Publikum nurmehr die Highlights der Programme zu präsentieren. Das funktioniert selten so richtig gut - nur dann nämlich, wenn das, was die Protagonisten ihrerzeit ablieferten, zeitlos und von solcher Qualität ist, dass man eine Wiederholung der Nummern geradezu herbeisehnt.
Das aber ist bei den beiden Schweizern Ursus und Nadeschkin zweifelsohne der Fall. Sie beleben die Clownerei, die man aus dem Zirkus kennt, mit ihren "Hailights" auf eine ganz eigene Weise neu. Statt herkömmlicher Tortenwerferei und roter Nase hat das Duo die Manege auf die Kleinkunstbühne verlegt und zieht dort eine gnadenlos gute Show ab - so jetzt auch im "unterhaus".
Eine geschlagene halbe Stunde benötigen die beiden Komödianten freilich, um sich überhaupt erst mal vorzustellen. Und doch ist man mitten drin in einer abendfüllenden Revue, die, obwohl zweimal 50 Minuten lang, wie im Fluge vergeht. Ein weiteres "Hailight" dieser Clownerei ist die Improvisation. Für Clowns mag das zwar eine Selbstverständlichkeit sein; die beiden Schweizer setzen dies jedoch auf erfrischende Weise um - von wegen dröge Alpenrepublikaner!
Ein Thema, das sich wie ein roter Faden auch durch die "Hailights" wuselt, ist eine stete Auseinandersetzung, die nicht selten in einen offenen Streit mündet. Wer aber auf der Bühne hadert, muss dies im Privaten nicht mehr tun, denn fast scheint es so, als hätten sich Ursus und Nadeschkin mit den Jahren auf diese Art und Weise auf der Bühne aneinander abgeschliffen und setzten ihre Energien statt in einen künstlerischen Disput lieber in kreative Ideen um. Dass diese Kabbelei jedoch wunderbar inszeniert und das Programm jäh unterbrochen wird, weil Nadeschkin mal wieder beleidigt ist, verleiht dem Ganzen eine eigene Würze. Schließlich kann das Duo diesen Scherz ewig wiederholen, ohne dass er fade wird.
Bei allem Klamauk liefern die beiden aber auch Hochgeistiges: Da wird mit Worten jongliert, oder Ursus erklärt das (bereits in zwei Büchern veröffentlichte) "Kunstaufräumen" erklärt: Abstrakte Malerei wird einfach nach Formen und Farben geordnet, so dass auch aus einem augenscheinlich "wirren" Gemälde eine Augenweide für den Ordnungsfanatiker wird. Der Gedanke ist denkbar einfach - die Kunst dabei ist, erst mal auf ihn zu kommen.
Noch bis 6. November; Karten unter 06131 / 23 21 21
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