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TAGEBUCH 2006

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Feedback zu Sound of Silence No.2
15.05.2006
Feedback zu Sound of Silence No.2
Feedback zu Sound of Silence
13.05.2006
Feedback zu Sound of Silence
SOS!
06.05.2006
SOS!
Vorankündigung Konzert vom 5.5.06!
02.05.2006
Vorankündigung Konzert vom 5.5.06!
«Jöö-Effekt»
27.04.2006
«Jöö-Effekt»

 

15.05.2006

Feedback zu Sound of Silence No.2



Mehr als Unterhaltung

Bern, 13. Mai 2006. Hunderte Hörende erlebten eine neue Welt, in der ohne Stimme kommuniziert wurde. Viele versuchten, sich in der Kommunikation zurechtzufinden. Zum Glück gab es einige Möglichkeiten dafür: Zettel mit Kugelschreiber, kleine Gebärdenfibel, schriftliche Informationen und selber Gehörlose, die sich Zeit genommen haben, deutlich und klar zu gebärden.

Nach dem Auftakt durch SGB-FSS Präsident Roland Hermann sprach Nationalrätin Pascale Bruderer in ihrer Rede über ihre Beziehungen zu ihren gehörlosen Onkeln sowie über Aspekte der Behinderung und Nichtbehinderung. Wie gekonnt gebärdete sie ihre Gedanken (Mehr darüber im visuell plus 6/7 2006).

Des Bundespräsidenten Moritz Leuenberger Gedanken über „Stille und Laute“ wurden via Projektion auf die Leinwände im Saal schriftlich präsentiert.

Auf der Bühne moderierte Stanko Pavlica die zweistündige Theatershow. Die Künstler, Christoph Stärkle, David Dimitri, Ursus&Nadeschkin, spielten ganz auf ihre Art – Kommunikation, Akrobatik, Karikatur. Die Botschaften wurden mal gebärdensprachlich, mal lautsprachlich, mal schriftlich wiedergegeben. Es war ein Event, in dem Hörende und Gehörlose direkt gegenüber standen, egal ob sie einander kennen oder nicht. Sehr spannend, lustig und einmalig. Nur allzu schnell verstrich die Zeit…

In der Juli/August Ausgabe visuell plus werden wir wieder darauf kommen und Echos von Besuchenden schreiben. (PH)

nachzulesen auf:
www.www.sgb-fss.ch.

...oder nachzuschauen auf:
Bildergalerie.


Moritz Leuenberger
Bundespräsident:
Stille und Laute

„Sound of silence“, das war einmal ein Hit, der in allen Radios und Diskotheken lief. Als Ohrwurm hat er sich in den Gehörgängen festgesetzt und beginnt zu tönen, wenn schon nur der Titel genannt wird. Aber was ist das wirklich, der Klang der Stille? Ist Stille einfach Abwesenheit von Lauten, oder ist sie mehr?
Lärmgeplagte Menschen suchen die Stille auf und bezahlen viel Geld dafür. Stille ist ein Luxusartikel. Für gehörlose Menschen dagegen ist Stille der Normalzustand. Sie haben sie nicht selber gewählt, sie können nicht das Fenster öffnen und dann verflüchtigt sich die Stille. Gehörlosigkeit beschneidet drastisch die Kommunikation, es drohen Isolation und Vereinsamung.

Aber gehörlose Menschen haben gelernt, die Stille zu durchbrechen. Sie haben die Gebärdensprache entwickelt, eine der grossartigsten Kulturleistungen unserer Zeit. Hörende sind oft sprachlos vor Staunen, wenn sie Gehörlose untereinander sprechen sehen. Und sie wundern sich, was für Gedanken und Wünsche ihnen Gehörlose von den Lippen ablesen.

Eine der schönsten Aktionen von friedlichem politischem Widerstand hat mit der Gebärdensprache zu tun: Als während der „Orangen Revolution“ in der Ukraine am staatlichen Fernsehen eine offizielle Botschaft verlesen wurde, kommentierte die Frau, die in der unteren Bildecke die Sendung in Gebärdensprache übersetzte, die offiziellen Nachrichten mit den Worten: „Glauben Sie kein Wort, es sind alles Lügen“.
Für einmal waren die Gehörlosen im Vorteil. Sie wurden Zeugen, wie
die stille Sprache die Hohlheit der lauten Worte entlarvte. Ein wunderbares Beispiel für die List der Wahrheit, die sich ihr eigenes Medium sucht.

Kleine Abweichungen von der Norm können auch in der alltäglichen Kommunikation zu grossen Veränderungen führen. „Sound of silence“ ist eine Einladung, zur alten Platte einen neuen Tanz zu wagen.

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