
07.06.2011 Neu-Ulmer-Zeitung |

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07.06.2011
Neu-Ulmer-Zeitung

...und noch so eine wunderbare Pressestimme aus Deutschland:
Ein Traumpaar der poetischen Komik
Ursus und Nadeschkin betreten die Bühne als zwei Comicfiguren: Er lang und dürr, unschuldig-pedantisch und fantasievoll, sie stur, geistreich, ihm immer einen kleinen Tick voraus. Er hat raspelkurzes Haar, sie einen Bob-Marley-Mob auf dem Kopf, dazu eine quietschgelbe Latzhose. Ursus Wehrli und Nadja Sieger – so ihre bürgerlichen namen – haben dieses Duo in einer Zeit erschaffen, als Poesie und Kabarett nicht zusammenpaßten. Mittlerweile sind ihre Nummern moderne Klassiker. Im Zelt präsentierten sie ihr Programm „Zugabe!“ folgerichtig als Rundumschlag mit Auszügen aus den besten Nummern des Duos. Kann man das beschreiben, was die beiden 2 Stunden lang über die Bühne pfeffern? Man sollte es gar nicht versuchen. Ihre Szenen, verbal wie nonverbal, entfalten eine absurdkomische Magie, die sich jeder Beschreibung verschließt. Das hat etwas vom geistreichen Klamauk klassischer Komiker Laurel und Hardy oder den Marx Brothers, wenn sich die beiden ihrer vermeintlichen Gegensätzlichkeit wegen necken, wenn Nadeschkin Ursus wegen seiner „3 Jahre Pantomimenschule“ aufzieht. Die Verbindungen sind fließend, der „Running Gag“ feiert Triumphe: Ursus münzt seine Fremdsprachenlethargie in freche Kreativität um: „Was ist ein russischer Vegetarierer? Moos-kau!“
Ihre Shakespeare-Parodie hätte Samuel Becketts Zwerchfell zum Reißen gebracht. Wenn Ursus einen Arzt-Sketch spielen und Nadeschkin ein Liebeslied singen will, gehen die beiden mit der Unschuld kleiner Kinder und der (Sprach-)Raffinesse ausgebuffter Psychotaktiker vor. Am Ende bekommt zwar jeder was er will – aber nie so, wie er es sich vorstellte. Diese Diskrepanz zwischen Anspruch und Umsetzung haben die Schweizer Allrounder zur perfekten Maske ihrer Programme gemacht. Sie kündigen etwas an und machen etwas ganz anderes. Das Staunen wächst ins Unermeßliche. Die Sprachkomik brächte selbst Poetry-Slam-Schwergewichte ins Trudeln. Die Poesie ihrer Interaktionen ist anrührend, surreal und manchmal so markerschütternd komisch, daß man bersten möchte vor Lachen. Zwei Stunden vergehen da wie nichts. Wenn sich die beiden, in einer kommunikativen Endlosschleife („Dankedankedankeschön!“) verfangen oder im Finale ein furiose Choreographie des Synchronstotterns vorführen, fragt man sich zurecht, wie man nach der Show „wieder selbst mit sich klarkommen“ soll. Man kann es nicht. Man kann nur versuchen, sich mit den DVDs und CDs dieses Ausnahme-Duos bis zur nächsten Vorstellung über Wasser zu halten.
© Florian L. Arnold, Neu-Ulmer Zeitung, 9. 6. 2011
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