Tagebuch
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11.08.2005
Schwarzfahren und Busse tun

© Berner Zeitung 06.08.2005
Schwarzfahren und Busse tun
kolumne von Nadja sieger
Ich muss hetzen, denn meinen Zug von Basel nach Zürich will ich nicht verpassen. Dass gerade ein Trämli kommt, ist verführerisch. Nur für diese eine Station zum Bahnhof ... ich steig ein.
Der Zufall will es, dass dadurch auf dieser Kürzeststrecke ein Kontrolleur ein schwarzes Schaf fangen kann ... - also mich! Mein Zugbillett taugt zur Kontrolle nichts, denn in Basel ist ein Tram nicht «auch ein Schiff» - so wie man uns das in Zürich lehrt -, und in diesem konkreten Fall ist dieses Tram unter gar keinen Umständen «auch ein Zug».
Dem Mann, der etwas von Ausweis und 20 Franken murmelt, überreiche ich brav meine ID und zwei Zehnernoten und denke, dass so eine Busse gar nicht teuer sei. Doch das denk ich nicht lang, denn ich hab mich verhört, es geht hier um 80, also um richtiges Geld! Dass ich immerhin für meinen Hund ein gültiges GA habe (das übrigens nicht nur im Tram, sondern auch im Zug funktioniert), erzeugt keine Milde. Ich muss zahlen, gnadenlos und cash. Und renne auf meinen Zug, den ich natürlich durch den Ärger beinahe verpasse.
Nein, ich verpasse ihn nicht: Hätte ich allerdings früher gewusst, dass mein Zug mit einer halbstündigen Verspätung fahren würde, dann hätte ich statt der eiligen Tramfahrt einen gemütlichen Spaziergang zum Bahnhof gemacht und nebenbei 80 Franken gespart.
Zahlt einem die Bahn 30 Minuten Verspätung aus?
Nun, ich will mich nicht weiter ärgern, präsentiere zwischen Basel und Zürich mein Zugbillett, diesmal mit Erfolg und ohne mich beim Schaffner über die bemerkenswerte Verspätung zu äussern, denn es gibt Tage, an denen sollte man besser schweigen und Busse tun. Und heute ist so ein Tag: Schliesslich komme ich in Zürich genau diese halbe Stunde zu spät, in der ein Polizist die Zeit findet, um ausserdem auch noch mein Auto zu büssen. Was gibt 2 x 80 Franken? Schlechte Laune?
Möglich. Doch da denk ich anders. Die 160 Franken, das ist jetzt für mich einfach der Preis, mit dem ich mir heute mein Kolumnenthema kaufte. Man muss schon verstehen: Wer - wie ich - dem öffentlichen Verkehr unabsichtlich so viel Geld abliefert, muss dieses auch möglichst schnell regenerieren! Der Berner Zeitung sei Dank! Dem Basler Kontrolleur möchte ich an dieser Stelle für sein künftiges Schaffen etwas mehr Freundlichkeit im Dienst am Kunden wünschen. Er hätte in meinem harmlosen Fall problemlos ein Auge zudrücken können, ohne dabei gleich sein Gesicht zu verlieren. Nun, er degradierte mich lieber auf Grund dreier unbezahlter Fahrminuten zur Schwarzfahrerin des Tages, und zwar so, dass es auch gleich das ganze Tram bemerkte.
Und was lernen wir daraus? Dass ich in Zukunft zu Basel lieber das Taxi nehme. Das scheint mir günstiger im Preis-Leistungs-Vergleich!

