Ursus & Nadeschkin

Tagebuch

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01.10.2005

Von Männern und Mäusen.

Von Männern und Mäusen.

(Mann im Bild: Gerrit Sardemann - Techniker von U&N und ehemaliger Bodyguard)

© Berner Zeitung; 01.10.2005; Seite 2


Von Männern und Mäusen.
kolumne
Nadja Sieger


Er, der normalerweise Leute beschützt, wegschickt oder kontrolliert, und immer dann zupackt, wenn andere schwach werden, könnte einer Fliege zwar schon etwas zu Leide tun, aber spätestens bei einer Maus, hört's bei ihm auf.
Als seine Katze neulich eine halb tote Spitzmaus nach Hause brachte, und man dem Leiden ein Ende setzen musste, suchte er Hilfe im Waffenladen.
Was wäre die Alternative gewesen? Auf die kranke Maus draufstehen? Oder in einen Sack packen, und dann mit Schuss an die Wand? Nein, das schaffte er nicht.
Beim Bauern wird die unnütze Maus für gewöhnlich ersäuft, und beim Bodyguard?

Der Waffenverkäufer, der Patronen für’s Luftgewehr nur im 100er Pack verkauft, bekam ungefragt die Details zu hören. Nämlich, dass Katzen zwar Spitzmäuse jagen, und gern filetieren, aber dummerweise nicht fressen. Mann war sich einig, der Verkäufer war gerührt, und es wurden zu Ehren der Maus zwei Schüsse verschenkt.

Solange eine Katze zum Haushalt gehört, gehört das mit den Mäusen ganz einfach dazu. Seine Katze bringt im Durchschnitt pro Woche eine Maus mit ins Haus, und wenn sie noch lebt, dann lässt er sie frei, so seine Devise.
Aber im letzten Dezember war’s Draussen so kalt, dass so eine kleine Maus seiner Meinung nach, erfroren wäre.
Der Winter blieb kalt, und nach einer kurzen Wohnphase des Mäuschens im Einmachglas, war die Situation nicht mehr auszuhalten: Ein Leben im Glas, - das ist unmenschlich! Allein schon für ihn als Betrachter! Also kaufte er bei «Happy Pet» ein grosses Terrarium, erkundigte sich nach Rasse und Pflege, und kaufte das Buch: «Meine Mäuse». Zusammen mit dem Spreu fürs Mausebett, dem Spezialholz zum Klettern, dem Sandkasten zum Umgraben, dem Futternapf und dem Wasserspender ging dieser Einkauf richtig ins Geld, und doch zahlte er sich aus: Der Maus gefiel nämlich ihr neues Terrain, und zwar so sehr, dass er sie darin gar nicht mehr fand. Dass sie trotzdem da war, und nachtaktiv, hörte er anhand penetranter Nagegeräusche, oder durch die Katze, die zunehmend hektisch beim Maushaus miaute, und ab und zu gegen die Terrariumsscheibe knallte. Neu brauchte unser Mann Ohropax zum schlafen.
Wie bringt man einer Feldmaus das Trinken am Wasserspender bei? Und was macht man, wenn sie nur frische Trauben will, im Winter? - indische und südafrikanische Trauben beim Gourmet kaufen, was sonst!

Als seine Katze in diesem kalten Winter das nächste Mäuschen anschleppte, las er im Buch, dass die Tiere sehr gerne Gesellschaft hätten, und tat, was ihm darum der Tierarzt riet: Das Terrarium total aus- und neu einräumen, und die Mäuse zur gegenseitigen Geruchsneutralisierung im lauen Kamillenbad baden, - da waren’s schon zwei.
Als seine Katze das nächste Mäuschen anschleppte, wiederholte er das Prozedere, - da waren’s schon drei.
Und als seine Katze die nächste anschleppte, erwachte der Türsteher im Innern des Mannes: Er ignorierte beide, und die Maus war für die Katz!
Der Winter ist hart! ...auch das stand da drin, im «die Mäuse».

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