Ursus & Nadeschkin

Tagebuch

Hier findet man alle weiteren Tagebuch-Einträge

22.01.2007

Sekretärinnen (Teil 1)

Sekretärinnen (Teil 1)

© Basler Zeitung; 18.01.2007
Tatort Grossraumbüro
«Sekretärinnen» von Franz Wittenbrink kommt als Premiere am Theater Basel
SIGFRIED SCHIBLI

Sein Name verbindet sich für uns Basler mit der Intendantenzeit von Frank Baumbauer. Franz Wittenbrink kehrt mit «Sekretärinnen» ans Theater Basel zurück.

«Hier ein Lied, da ein Lied, und gleich noch ein Lied», konstatierte der Kritiker der «Süddeutschen Zeitung» leicht ungehalten. Anlass war die jüngste Premiere eines musikalischen Tausendsassas, der sich im internationalen Lieder-Fundus tummelt wie ein Goldfisch im Schlossparkteich: Franz Wittenbrink (58). «Vatertag» heisst das neue Stück des gebürtigen Niedersachsen, der einst als Kind bei den Regensburger Domspatzen mitgesungen hat. Es umfasst 41 Lieder unterschiedlichster Herkunft und erfreut die Abonnenten des Hamburger Thalia-Theaters.

In Basel ist nun nicht «Vatertag» zu sehen, sondern ein älteres, nachgerade klassisch zu nennendes Wittenbrink-Stück: «Sekretärinnen». Am Hamburger Schauspielhaus lief es während der Intendantenzeit von Frank Baumbauer nicht weniger als 128-mal › ein Dauerbrenner. Baumbauer war es auch, der Wittenbrink zum ersten Mal ans Basler Theater holte: 1992 für die Musik zur legendären Inszenierung der «Fledermaus» von Herbert Wernicke.

GROSSRAUM. Danach tauchte der Name Wittenbrink immer wieder in der Schweiz auf. Am Zürcher Schauspielhaus machte er, der ein leidenschaftlicher Bearbeiter grösserer Besetzungen ist, mit einer wiederum von Herbert Wernicke inszenierten «Dreigroschenoper» auf sich aufmerksam. Das war vor zwölf Jahren. Dann hörte und sah man ihn wieder am Theater Basel in Stefan Bachmanns Inszenierung des Gershwin-Musicals «Grease». Seine «Sekretärinnen» waren als Gastspiel im Burghof Lörrach zu erleben und als reguläre Produktion im Zürcher Hechtplatz-Theater.

Das Theater Basel springt jetzt, spät genug, auf den Erfolgszug auf und präsentiert «Sekretärinnen» in einer Neuinszenierung von Tom Ryser mit David Cowan als musikalischem Leiter. Neun Sängerinnen vom Theaterchor sind mit von der Partie und erzählen singend Geschichten aus dem Grossraumbüro. Die Grosse Bühne ist dem Theater nicht zu weit für dieses sehr spezielle Musikspektakel.

GEWÖHNLICH. Der Basler Tom Ryser hat schon eine halbe Theaterbiografie hinter sich. Der langjährige Hausregisseur des Kabarettisten-Duos Ursus und Nadeschkin[100] hat mit Strassentheater begonnen und war Assistent im Vorstadt-Theater, das früher Spilkischte hiess. Als Beleuchtungsaushilfe kam er ans Theater Basel und hat sich dort bis zum Kleist-Regisseur («Outlander, Fremdgehen mit Kleist») hochgearbeitet.

Unkonventionelle Projekte sind für Ryser das Gewöhnliche. So liess er 700 Chorsängerinnen und -sänger mit Booten in den Stuttgarter Hafen einlaufen und bereitete dem Kanton Aargau 2002 einen Expo-würdigen Auftritt, an dem neben Aargauern auch Bagger und Helikopter mitwirkten. Nur Sekretärinnen waren damals noch keine dabei.

> Theater Basel, Grosse Bühne. Premiere So, 21.1., 19 Uhr. Nächste Aufführungen 23. und 25.1. Karten: Tel. 061 295 11 33. www.theater-basel.ch

Hier findet man alle weiteren Tagebuch-Einträge