Ursus & Nadeschkin

Tagebuch

Hier findet man alle weiteren Tagebuch-Einträge

13.03.2007

DAS WOCHENGESPRÄCH © Basler Zeitung

DAS WOCHENGESPRÄCH © Basler Zeitung

Da wir ja demnächst, also schon sehr bald, nämlich dieses Wochenende, wieder in Basel gastieren, um dort DVD-Aufnahmen des Programmes Weltrekord zu machen, hier wieder mal ein Beitrag aus der Basler Zeitung. Das Interview mit unserem Regisseur erschien am 14.2.07:

Autor Tom Ryser (40) über die Zusammenarbeit mit Ursus und Nadeschkin, seine Plüschsau und Netzwerke
Interview: Natalie Grob

«Wir lassen Konflikte nicht anbrennen»
Die besten Ideen kommen dem Basler Regisseur und Schauspieler, wenn er verliebt ist. Und: Er ist zurzeit sehr verliebt.

baz: Herr Ryser, seit 17 Jahren begleiten Sie das Clown-Duo Ursus und Nadeschkin als Regisseur. Wie kann nach all dieser Zeit noch etwas Neues entstehen?

tom ryser: Andersrum: Weil immer noch jeden Tag so viel Neues in der Zusammenarbeit entsteht und wir noch Ideen und Wünsche für die nächsten hundert Jahre haben, arbeiten wir immer noch zusammen. Ich glaube, wir lieben uns. Durch diese lange Zusammenarbeit verstehen wir uns fast ohne Worte, obwohl wir alle drei gerne und ganz viel reden. Am Anfang einer neuen Produktion proben wir immer auf Englisch. Da fehlen uns dann oft die Worte und wir müssen zwangsläufig ganz anders als gewohnt arbeiten. Und beim Zurückübersetzen müssen wir uns noch mal sehr genau überlegen, was eigentlich der Sinn der Szene ist, weil man oft nicht eins zu eins übersetzen kann. Das ist gut.

Sie streiten dann auch sehr viel mit den beiden. Wo liegen Ihre Standpunkte?

Die liegen bei mir auf dem Nachttisch neben Tucholsky und Batman. Ja, wir streiten sehr gerne und viel. Ich glaube darum arbeiten wir immer noch zusammen. Wir lassen Konflikte nicht anbrennen. Und so lange uns die Sachen noch was angehen und wir sie mit so viel Emotion und Engagement verteidigen › man kann das auch Streit nennen › ist alles gut. Stellen Sie sich vor, wir wären nur nett miteinander. Das wäre schon vor Jahren langweilig geworden. Und lustig sein ist ein sehr ernstes Geschäft. Bis was komisch wird, gibt es nicht so viel zu lachen.

Hats neben Tucholsky und Batman noch für was anderes Platz?

Nein, da sitzt meine Plüschsau

Wie weit haben Sie Narrenfreiheit?

Da wir beim Arbeiten alle drei Narren sind, geniessen wir die totale Freiheit.

Herrscht Anarchie?

Wer? Nein, wir herrschen lieber selbst.

Wann und wo kommen Ihnen die besten Ideen?

Meistens, wenn wir gerade nichts vorhaben und auch immer, wenn wir bis über beide Ohren in der Arbeit ersaufen. Besonders oft, wenn wir verliebt sind oder einer von uns oder eine von uns verliebt ist, und natürlich wenn wir wütend sind. Gerne auch draussen, aber immer öfter zuhause. Und viele Ideen kaufen wir in einem kleinen Shop in Finnland › per Internet natürlich.

Sind Sie denn zurzeit verliebt?

Ja, ich bin zurzeit sehr verliebt.

Das mit dem Shop in Finnland klingt interessant. Ist Finnland nicht eher bekannt für Saunen, tausend Seen und gute Schüler?

Nein, das ist ganz falsch. Wer hat Ihnen denn das erzählt?

Ein Finne. Aber um wieder aufs ernste Geschäft zurückzukommen: Wie wichtig sind Ihnen Netzwerke?

Extrem wichtig! Ich will nicht allein arbeiten, weil ich ein Netzwerk bauche, das mich unterstützt, mit mir weiterdenkt und ausprobiert, mich herausfordert und mit mir sehr, sehr weit geht. Gerade weil ich dauernd unterwegs bin, ist es wichtig, mit vielen Leuten vernetzt zu sein. Mein Netz hat dadurch etwas gröbere Maschen, weil es weit verteilt ist.

Ist es schwierig, als freischaffender Regisseur seinen Lebensunterhalt zu bestreiten?

Nein.

Weil Sie nicht sehr anspruchsvoll sind?

Nein, weil ich nicht rumjammern will.

14.02.2007 © Basler Zeitung

Hier findet man alle weiteren Tagebuch-Einträge