Tagebuch
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08.05.2007
© Volksblatt, Lichtenstein

(Foto: Sabine Burger)
VADUZ - Urs Wehrli und Nadia Sieger lassen sich nach wie vor in keine Schublade stopfen. Zu ihrem 20. Bühnenjubiläum wollen sie ihn nun endlich haben: den Weltrekord - egal in welcher Disziplin. Verdient hätte ihn das ungewöhnliche Schweizer Kleinkunst allemal. Am Sonntag boten Ursus & Nadeschkin die erste von zwei hinreissenden Shows im Vaduzer Saal.
Das anfängliche Gezappel der beiden Künstler zu lauter Musik führt in die Irre: Man hat es mit keiner peinlichen Comedy-Show zu tun. Kabarett ist es irgendwie auch nicht, eine Clownerie vielleicht? Die Frage nach der Schublade ist so alt wie das Duo selbst. Auch nach 20 Jahren mit stetig wachsendem, weltweitem Erfolg agieren Ursus & Nadeschkin nicht wie die grossen Bühnenstars, die sie sind. In ihrem neuen Programm «Weltrekord» wirkten sie am Sonntag wie hochtalentierte, vor Witz und Charme sprühende Nachwuchskleinkünstler mit einem besonders gelungenen Strassentheaterprogramm ohne vordergründige virtuose Extravaganzen, das aber jederzeit höchste Professionalität und Präzision in der Abstimmung aufeinander erkennen lässt. Dass die Vorstellung im grossen, ausverkauften Vaduzer Saal stattfand, tat dem Vergnügen keinen Abbruch. Das allein ist schon eine beachtliche Leistung.
Zelebrierte Gags
Der clownesken Hektik setzten Ursus & Nadeschkin immer wieder Passagen entgegen, in denen ein Gag in kunstvoll gedehnten Endlosschleifen genüsslich zelebriert wurde. Nicht die atemlose Jagd nach Pointen ist das Metier der beiden, sondern sich auseinander ergebende absurde Konstellationen und Einfälle, bei denen das niedrige Tempo des Ablaufs in krassem Gegensatz zur Hibbeligkeit der Akteure steht.
Absurditäten im imaginären Raum
«Etwas Besonderes» sollte der Abend werden, da sind sich Ursus & Nadeschkin einig in ihrem improvisiert wirkenden, scheinbar ziellosen, aber genauso wie alle anderen Versprecher und Fehler unglaublich präzise einstudierten, Anfangsdialog. Hinter der Bühne entdecken die beiden einen imaginären Raum, eine «riesengrosse Halle», in der der eine oder die andere ab und zu verschwindet und mit seltsamen Entdeckungen wiederkehrt. Aus dieser Idee leitet das Duo eine dramaturgisch clevere, dialogische Kettenreaktion ab, in deren Verlauf sich Nadeschkin u. a. als recht passable Sängerin und Ursus als vorzeigbarer Schlagzeuger entpuppt, auch wenn er immer denselben Rhythmus spielt, den er nur jeweils anders benennt. Der erste Weltrekordversuch im «Synchronsprechen am längsten» wird nichts. Über den zweiten soll nicht zuviel verraten werden, nur soviel: So ein Stoffel kann man als Zuschauer gar nicht sein, dass man da nicht begeistert mittun möchte. Nicht verpassen!
Heute Abend im Vaduzer Saal @ 20 Uhr!

