Tagebuch
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20.10.2007
Heute @20:05 auf SF 1: «Die Samstagabendkiste»

Nicht verpassen!
Heute @20:05 auf SF 1:
«20 Jahre Ursus & Nadeschkin - Die Samstagabendkiste!»
Eine abendfüllende TV-Produktion des Schweizer Fernsehens in Zusammenarbeit mit Ursus & Nadeschkin und Tom Ryser
© TELE: Bühnenwechsel: «Ursus» Urs Wehrli und «Nadeschkin» Nadja Sieger im «Tagesschau»-Studio.
Sie sind länger zusammen als manches Ehepaar. Zum Zwanzigsten erhält das Duo eine veritable «Tagesschau».
TELE: Kompliment – zum 20. sind Ursus & Nadeschkin in der «Tagesschau». Das schafft nicht jeder.
Nadja Sieger: Nein. Normalerweise muss man eine Überschwemmung haben, eine Abstimmung gewinnen, schlecht auffallen, oder?
Wie also haben Sies hingekriegt?
Urs Wehrli: Das Schweizer Fernsehen kam auf uns zu: «20 Jahre, was schlagt ihr vor?» Die Variante, dass man mit Röbi Koller oder Sandra Studer auf dem Sofa sitzt, Anekdoten erzählt und Rückblicke zeigt, haben wir schnell verworfen. Das tut man, wenn man 80 wird.
Und warum haben Sie sich ausgerechnet das Newsstudio als Fernsehbühne gewünscht?
Wehrli: Aus dem Blickwinkel von Ursus & Nadeschkin gilt: «Erst wer wirklich wichtig ist, kommt in der ‹Tagesschau›!» Darum schleichen sie sich ein und basteln im Studio ihren eigenen zweiminütigen Beitrag. Das dauert natürlich ewig!
Wenn Sie so auf die 20 Jahre zurückblicken – wie haben Sie sich verändert?
Wehrli: Optisch natürlich. Ich kann mir nicht mehr vorstellen mit Clownnase aufzutreten. Am Anfang ist so etwas wichtig, aber je länger man arbeitet, desto mehr verinnerlicht man seine Kunstfigur und braucht weniger Äusserlichkeiten, um sie zu definieren.
Und sonst?
Sieger: Wenn man uns in eine Schublade stecken will, sprengen wir die gern. Als es zum Beispiel hiess, wir redeten zu viel, haben wir einen Kurs in Gebärdensprache gemacht und unsere nächste Nummer für Gehörlose geschrieben. Wir lieben die Veränderung und wechseln gern: Von der Strasse ins Kleintheater, ins Schauspielhaus, in den Zirkus, ins Fernsehen.
Ihre persönliche Entwicklung?
Wehrli: Wir verstehen uns je länger, je weniger, sind sturer und eigener geworden. Und wir setzen uns ungleich mehr für eigene Sachen ein.
Sieger: Was sich neckt, das liebt sich! Ich finde, eine Beziehung hört da auf, wo sie einem egal wird.
Sie pflegen eine ausgeprägte Diskussionskultur …
Wehrli: Ich bin froh, sind wir uns öfters uneins. Meinungsverschiedenheiten sind die Basis erfolgreicher Zusammenarbeit. Ohne wären wir wohl nicht mehr zusammen.
Sieger: Genau. Arbeitet man mit jemandem, der gleich tickt, ist das todlangweilig. Rege ich mich aber über eine mir fremde Eigenschaft von Urs auf, wirds spannend, Dissonanzen sind kreativ.
War Trennung je ein Thema?
Sieger: Vor vier Jahren hatten wir unsere grosse Krise – überlebt.
Wehrli: Aber wir sind uns einig, nicht zwanghaft aneinander festhalten zu müssen, sagen immer wieder, es könnte morgen fertig sein. Und wir meinen das auch so.
Wird man Sie jemals solo sehen?
Sieger: Ich bin keine Solistin. Urs ist anders. Aber je mehr er mit seinem Buch allein auf der Bühne steht, desto mehr vermisst er seinen Gegenpart.
Ist Ursus Urs näher oder Nadeschkin Nadja?
Wehrli: Ich wohl. Manches ist aber auch pures Gegenteil. Auf der Bühne bin ich gern der Verlierer, der etwas nicht auf die Reihe kriegt. Privat natürlich nicht.
Sieger: Ursus darf das, Nadeschkin weniger. Verliert eine Frau gegen einen Mann und kriegt von ihm auf den Grind, so wirkt das in unserer Gesellschaft nach wie vor sexistisch. Darüber will man nicht lachen, Emanzipation hin oder her!
Was bewundern Sie aneinander?
Sieger: Urs hat den besseren Überblick, ist in seinen Urteilen, politischer oder kultureller Art, unabhängiger. Ich lasse mich schneller beeindrucken.
Wehrli: Du lässt dich dafür besser auf Menschen ein, definierst dich aber auch mehr über andere.
Sie gönnen sich vermehrt Auszeiten, oder?
Wehrli: Ja. Wir sind seit fünf Jahren vehement am Bremsen und machen zwar weniger, das aber intensiver. Für uns als Workaholics ist das ein grosser Schritt.
Spielt Ihre Familie, Urs Wehrli, in dieser Entwicklung eine Rolle?
Wehrli: Seit es sie gibt, ist klar, dass die Zeit anders tickt. Mir graut davor, ein Vater zu sein, der ständig arbeitet. Es wäre schade, so etwas Schönes wie die Zeit mit meinem Sohn zu verpassen.
Was dürfen Ihre Fans als Nächstes nicht versäumen?
Wehrli: Im Frühling haben wir Premiere von «Im Orchestergraben – unerhört Komisch-Virtuoses von Beethoven und Co.» mit der Camerata Schweiz.
Sieger: Und dann ist da noch die Idee, mal als Duo unter anderem Namen aufzutreten. Aber das kommt nicht in der Zeitung, weil man uns dann noch gar nicht kennt!
(Text: Miriam Zollinger / Foto: Sabine Burger)
Drehbuch Samstagabendkiste: Ursus & Nadeschkin & Tom Ryser
Regie von Ursus & Nadeschkin: Tom Ryser
TV-Regie: Marcello Weiss
SF Produktion: Andrea Fischbach & Rolf Tschäppät

