Tagebuch
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20.04.2008
Ta-ta-ta-taaa, Beethovens Sinfonie 5.2

© Berner Zeitung; 21.04.2008;
Ursus&Nadeschkin
Ta-ta-ta-taaa, Beethovens Sinfonie 5.2
Beim Computer weiss man nie, ob die neue Version was taugt. Hier schon. Jedenfalls ist sie viel lustiger. Ursus&Nadeschkin und die Camerata Schweiz zeigten am Wochenende in Bern ihre Version von Beethovens 5.Sinfonie.
Würde sich Ludwig van Beethoven darüber freuen? Vielleicht. Auf den Büsten, die auf unseren Klavieren stehen, schaut er immer so griesgrämig drein. Ein besonders Lustiger scheint er nicht gewesen zu sein. Dafür hatte am vergangenen Wochenende das Publikum Freude: Am Samstag und Sonntag gastierten Ursus&Nadeschkin mit der von Graziella Contratto geleiteten Camerata Schweiz im Berner Kultur-Casino. «Im Orchester graben» heisst das Programm.
Graben ist Fundgrube
Seit zwanzig Jahren arbeiten Ursus und Nadeschkin zusammen. In ihrem Jubiläumswerk geht es um Beethovens 5.Sinfonie, eigentlich nur um den ersten Satz. Die zwei reichern ihn mit Komik an, aber auch mit Schlagern aus den Zwanzigerjahren, Ohrwürmern von Abba und sonst allerlei Artfremdem. Zusammengefasst: Beethovens Sinfonie 5.2 ist ein Riesenspass. Schade, bleibt die Klassikklamauktruppe nicht länger in Bern. Morgen Dienstag spielt sie in Luzern. Hingehen, es lohnt sich.
So ein klassisches Orchester ist ja eine Fundgrube für Komisches. Da tragen die Herren Fräcke, diese seltsamen Trachten aus dem 19.Jahrhundert. Da klatscht das Publikum erst am Schluss und nicht bereits in der Pause nach dem ersten Satz. Dabei hätten die Pinguine und die schwarz gekleideten Damen doch auch zwischendurch Streicheleinheiten verdient.
Mit dieser Applausordnung steigt das Komikerduo denn auch ein. Die beiden klatschen unzeitgemäss. Das Publikum fällt ein – und die Dirigentin aus der Rolle.
Ludwig rückwärts
Was hätte Beethoven davon gehalten? Schwierig zu sagen. Er hätte es ja auch gar nicht gehört. Am Schluss war er beinahe taub. Entgangen wäre ihm deshalb, wie es tönt, wenn man ihn rückwärts abspult. Wie es klingt, wenn die Geigerin die Noten des Trompeters spielt. Oder was es heisst, wenn Ursus und Nadeschkin die Fünfte a cappella singen.
Die zwei bedienen das gute alte Komikmuster, das man aus dem Zirkus kennt: Dummer August üpertölpelt vornehmen Weissclown. Hanswurste sind Ursus und Nadeschkin. Sie sitzen auf, neben und zwischen den Stühlen, die für die Damen und Herren des Orchesters bestimmt sind. Wenn sie das Dirigentenstöckchen heben, klingt es grottenfalsch. Und da ist der unnahbare Weissclown, hier die schwarz befrackte Dirigentin. Graziella Contratto weist zurecht und will vergeblich für Ordnung sorgen.
B. war auch nur ein Mensch
Lustig ist das. Und man lernt auch was. Man hört, dass das Eingangsmotiv der Fünften furchtbar banal tönt, wenn das Orchester diese Takte in C-Dur spielt statt wie vom alten Meister vorgegeben in c-Moll. Und dass Beethoven für seine Sinfonie dieses weltberühmte Ta-ta-ta-taaa fürchterlich aufgeblasen hat. Nadeschkin erklärt das. Sie hat Recht.
Hätte sich Beethoven gefreut? Vermutlich schon. Wahrscheinlich blickt er auf unserem Piano bloss so sauertöpfisch drein, weil wir so mies Klavier spielen.
(Text: Peter Steiger, Foto: Bernhard Fuchs)
Spielplan: am 22. und 24.April im KKL Luzern; am 26. und 27.April in der Tonhalle Zürich. Telefon 0900 800800.

