Ursus & Nadeschkin

Tagebuch

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30.06.2008

«Die kleinen Sabotagen»

«Die kleinen Sabotagen»

Ulmer Zelt:
"Wir sind nichts Besonderes", jammerten Ursus und Nadeschkin im ausverkauften Ulmer Zelt. Das Publikum war ganz anderer Meinung.

Ursus und Nadeschkin gastierten zur Freude ihrer Fans wieder im Ulmer Zelt.

Foto: Matthias Kessler

Ulm – Wenn Ursus und Nadeschkin, das Schweizer Comedy-Paar mit dem Stammplatz im Ulmer Zelt-Programm, zu ihrer Einleitung ausholen, dann geht das beinahe eine Stunde. Man kommt in aller Weitschweifigkeit nicht auf den Punkt, weil man fortwährend abgelenkt wird und sich ständig entschuldigen muss. "Ich will nicht, dass die sich bei denen blamieren, die sie heute mitgeschleppt haben", klagt sie. 415 Besucher hatten jemanden mitgeschleppt. Macht 830 Zuschauer im Zelt.

Die waren dabei, als sich Ursus und Nadeschkin unter der Regie von Tom Ryser auf die Suche nach etwas Besonderem machten. "Etwas, wo man nach Hause gehen kann und sagen kann "wow" und "genial". Das Clownspaar spielt von "peinlich bis genial" die Palette der möglichen Volksbelustigungen durch. Sie dreht indoor einen Regenschirm und er lehnt das als banal ab. Aber vielleicht das Ulmer Zelt in Brand stecken? Damit der Feuerwehrmann draußen etwas zu tun hat? Die Zündelei mit dem Feuerzeug zieht sich genau so durch das Programm wie die Handhabung des Gegenmittels, der Flasche Wasser.

Ursus und Nadeschkin inszenieren eine Pet-Flasche zum herzeigbaren Kultobjekt, das umherfliegt und bejubelt wird. Im Schlussbild nach gut zweieinhalb Stunden temporeicher Aktion hat jeder Zeltbesucher eine Flasche auf dem Kopf, macht dazu eine Bewegung und spricht im Chor einen zusammenhängenden Satz. Eine perfekte Großgruppenanimation mit jeder Menge Vorarbeit.

Seit 21 Jahren gibt es das Paar, das sich im neuen Programm ganz auf Wortwitz, Tempo und Synchronsprechen verlegt. Er definiert Handlungsabläufe, sie sprengt sie. Er mimt den Belämmerten, sie die Quirlige. Kleine Sabotagen zum eigenen Vorteil jubeln sie sich gegenseitig unter. Sie legt ihm Kissen auf die Trommeln, damit es nicht so laut tönt. Er kontert mit dem Kunststückchen "wie schenke ich mir mit einer Kaffeekanne auf dem Kopf Kaffee ein". Das sieht so herrlich ungelenk aus, dass die Mitleidswoge nicht aus bleibt. Worauf sie sich "fürs Gröbst" entschuldigt.

Am besten ist das Duo im Synchronsprechen, in das sie noch Ulmer Lokalkolorit einfließen lassen. Der Kuhberg und die Kuhbergbahn könne es zwar nicht mir Schweizer Gipfeln aufnehmen, aber die zwei Schweizer bestürmten auf dem Gipfel ihrer Karriere ihr Publikum mit genialen Streichen - zweifelsfrei etwas Besonderes.

Erscheinungsdatum: Montag 30.06.2008
Text: Christina Mayer, jo

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