Tagebuch
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07.12.2008
© Die Südostschweiz Graubünden

Kultur
Zuweilen weht der Humorwind auch von unerwarteter Seite
Eine neue Zusammenarbeit, eine prominente Überraschungs-Preisträgerin und eine leise Enttäuschung: Das 17. Arosa Humorfestival hatte gleich von Beginn an einiges zu bieten.
Von Franco Brunner
Arosa. - Kaum ist das diesjährige Arosa Humorfestival gestartet, ist gestern Nachmittag auch schon der erste Preis vergeben worden. Und dies an eine Person, mit der wohl die wenigsten gerechnet hatten. Niemand Geringe-res als Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf nahm aus den Händen von Festivalleiter Frank Baumann die Aroser Humorschaufel entgegen. Ein Preis, der in Zukunft jedes Jahr an eine Person verliehen wird, die sich im Verlauf eines Jahres durch besonders viel Humor ausgezeichnet hat.
Die Frau Bundesrätin und Humor? Was auf den ersten Blick als, na ja: nicht gerade augenfällig erscheint, hat sich gestern bei der Preisübergabe auf der Bühne des Zeltes bei der «Tschuggenhütte» als gar nicht so abwegig entpuppt. Zumindest hatte Widmer-Schlumpf die Lacher und den Applaus des Publikums auf ihrer Seite, als sie Baumann, der sich zuvor als quasi Bündner bezeichnet hatte, mit den Worten ausstach: «Also, lieber Herr Baumann, ich bin sehr wahrscheinlich die weitaus bessere und waschechtere Bündnerin als Sie es je sein werden.» Den Preis, den sie unter anderem dafür erhalten hat, dass sie auch in einer (politischen) Leidensphase nie den Humor verloren habe, nahm Widmer-Schlumpf dankend entgegen. Die humorvolle sei zwar ihre geheime Seite, «aber es liegt ja auf der Hand, dass ich viel Humor besitze, denn sonst wäre ich im Berner Haifischbecken schon längst untergegangen».
Bereits am Vormittag luden gestern Baumann und Pascal Jenny, Direktor von Arosa Tourismus, zu einer Pressekonferenz auf die Terrasse der «Tschuggenhütte». Gemeinsam mit Adrian Steiner, dem Chef des mobilen Theaters «Das Zelt», verrieten sie, dass das Humorfestival in Zukunft landauf, landab auf Tour gehen wird. So werden bei der Tour 2009 Michel Gammenthaler, Les Trois Suisses, Ohne Rolf und Fabian Unteregger sozusagen als fahrendes Humorfestival mit dem Theater «Das Zelt» im Lande unterwegs sein.
Der einsame Mann im grossen Zelt
Zelterprobt ist seit Freitagabend auch der deutsche Polit-Satiriker Richard Rogler, der den ersten Soloauftritt des diesjährigen Humorfestivals bestritt. Gewohnt scharfzüngig zog Rogler in seinem Programm «Ewiges Leben» über die gesellschaftlichen und politischen Befindlichkeiten der Deutschen her. «Es geht schlecht in Deutschland, die Schulen sehen aus wie Dresden 1945. Aber kaum klagen die Banken laut genug, hat der Staat plötzlich 500 Millionen Euro zur Rettung zur Verfügung.»
Grimme-Preisträger Rogler bestach mit scharfen Worten, weit weg vom heute vielerorts üblichen Schenkelklopf- und Sauglattismuskabarett. Nichtsdestotrotz oder gerade deshalb schaffte er es nicht, das erhoffte Festival-Eröffnungsfeuerwerk zu zünden. Mit ein Grund war sicherlich die Tatsache, dass er im nur halbvollen Zelt zwar immer noch vor einer stattlichen Zahl an Zuschauern - rund 300 - auftreten konnte, aber sich und seinen Humor zusehends in der Weite des 800 Plätze fassenden Zeltes verlor. Eigentlich bestünde ja die Möglichkeit, für Auftritte mit etwas weniger Publikum mittels eines Vorhangs die Atmosphäre im Zelt etwas heimeliger zu gestalten. Doch dieser Vorhang konnte am Freitagabend nicht mehr gespannt werden - aufgrund der erst kurz vor Roglers Auftritt beendeten Abbauarbeiten des Schweizer Fernsehens nach der TV-Gala. So wurde der Kabarettist ein «Opfer» der Tatsache, dass heuer alle Auftritte im Zelt bei der «Tschuggenhütte» stattfinden.
Zumindest am Freitagabend wurden in den Publikumsreihen die ersten Stimmen laut, die sich das kleine, aber feine Casino im Dorf als Auftrittsort wieder zurückwünschten. Immerhin liess Baumann gestern durchblicken, dass im nächsten Jahr wohl auch im Dorf wieder gelacht werden dürfe.
(Foto: G. Bachmann)

