Ursus & Nadeschkin

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11.05.2009

Ursus räumte in Uznach auf

Ursus räumte in Uznach auf

Am letzten Samstag bei den Kunsttagen Uznach:
ORDNUNG MUSS SEIN

Von: Thomas Geissler

„Das hätte ich anders gemacht“, mag der eine oder der andere schon einmal beim Anblick eines Gemäldes gedacht haben. „Viel zu unordentlich, zu durcheinander und überhaupt – da stimmt doch was nicht.“ Was andere sich aber in der Realität niemals wagen würden, brachte Ursus Wehrli am Samstag, 9. Mai, ungeniert auf die Bühne des Kulturtreffs Rotfarb.

Keith Haring wird aufgeräumt: statistisch betrachtet. (Bild: tg)

Im Rahmen der Uznacher Kunsttage räumte Ursus Wehrli, Teil des bekannten Clown-Duos 'Ursus und Nadeschkin', auf. Dies allerdings nicht in herkömmlicher Art und Weise, sondern auf Kunstwerken. Gnadenlos ordnete er um, nahm auseinander und setzte neu zusammen. Dabei liess er es in amüsanter Weise an jeglichem Respekt vor Namen wie Klee, Mondrian, Picasso oder Jawlenski mangeln und kreierte auf diese Weise neue Kunstwerke. Von einer Staffelei auf die zweite wurde hier umgedreht, umgeformt, umgestellt und vor allem in Frage gestellt, was einst geschaffen wurde.

Dabei beliess es der Künstler, der seinem Publikum noch persönlich die Hände schüttelte, aber nicht. Er schaffte es auch, Bilder mit dem Titel: ohne Titel, nicht nur neu zu ordnen, sondern auch einen passenden Titel zu finden. Oder er vervollständigte Bilder, wo doch der Betrachtende sofort sehe, da fehlt doch etwas. So am Beispiel von Paul Klee, welcher nach Meinung von Wehrli noch etliches mehr für die Nachwelt erfunden hat. So z.B. zahlreiche Hygienartikel, wie 'Klee-rasil' oder 'Kleenex'. Hinzu kam noch eine passende Filmvertonung.

Doch blieb der Ordnungswahn Wehrlis nicht bei Bildern stehen. So ordnete er auch das Notenblatt 'Für Elise' von Beethoven neu oder brachte ein Gedicht von Goethe in alphabetisch richtige Reinfolge. Sinnvoll erschien da eine Neuordnung des U-Bahn-Netz-Planes, auf diesen Dingern blickt ja eh keiner durch. Ganz neue Interpretationen und Ausrichtungen am Zeitgeist brachte Wehrli auch auf die Bühne. So wurde aus einer Blume van Goghs in Öl auf Leinwand abgefülltes Öl in PET-Flasche. Daneben gab es zu den einzelnen Künstlern auch wichtige Hintergrundinformationen und es kam die Befürchtung auf: „Das könnte sein.“

Sei es, um unnötig verschwendeten Platz einzusparen oder einfach die Farbpalette zu ordnen - mit neuem Sinn versehen durch kleinere oder einschneidende Veränderungen und das Konzept der aufgeräumten Kunst gekonnt auf die Spitze getrieben – die ungewöhnliche Aufräumaktion gefiel. Das begeisterte Publikum in der vollen Rotfarb hatte dabei nicht nur viel zu lachen, sondern wurde durchaus auch zum Sinnieren und späterem Diskutieren angeregt.


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