Tagebuch
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27.09.2009
© Zentralschweiz am Sonntag

Zug - Theater Casino Zug
Dieses Wochenende gastieren in Zug Artisten aus aller Welt. Für ein harmonisches Ganzes sorgen dabei zwei Schweizer.
Ein Feuerwerk der Varieté-Kunst!
Die Show beginnt mit einer Panne. Die tänzelnden Moderatoren Ursus & Nadeschkin warten vergeblich auf die erste Nummer des Programms. Der Grund: Sie sprechen als Einzige Schweizerdeutsch, das von den Artisten offenbar niemand versteht. Die Verständigungsprobleme auf der einen und die mit 16 Prozent krasse schweizerische Untervertretung ermöglichen den beiden Moderatoren einen Link ins Publikum, der das Eis bricht. Sie bitten die Technik um etwas Licht im Saal und fordern alle Zuger auf, sich zu erheben. Es ist eine Minderheit, die aufsteht – und die wird noch kleiner, als nur jene stehen bleiben, die auch in Zug geboren wurden.
Es geht auch ohne Worte
Dann aber beginnt die eigentliche Show, deren Name «Perlen, Freaks & Special Guests» Programm ist. Und von Schwierigkeiten in der Verständigung zwischen den Moderatoren und ihren Gästen aus aller Welt kann da keine Rede mehr sein. Wenn nötig, geht es auch ohne Worte – wie etwa beim französischen Komikerpaar, das mit einer eigenen Nummer auftritt und gleichzeitig mitmoderiert. Zuerst funken sie mit einfachen Papierfliegern dazwischen, später treten sie als Ballonflieger in Pappkartons auf und schliesslich als Überflieger, aufgehängt an ihren Hosenträgern. Als «BPZoom» verkörpern die zwei Clowns mit ihren absurden und gleichzeitig poetischen Aktionen eine Leichtigkeit, die das ganze Programm prägt.
Sie beherrschen ihre Körper
Spürbar wird diese Leichtigkeit bei Morgan, dem langen Jongleur aus Frankreich, bei dem die Füsse den Ball bewegen, als wären sie Hände. Oder bei der Kanadierin Valérie Intertie, die mit einem übergrossen Ring einen artistischen Pas de deux zeigt, als wären die beiden ein Tänzerpaar. Begeistert ist das Publikum von der Körperbeherrschung des ukrainischen Duos Iroshnikov, dessen Akrobatik die Schwerkraft zu überwinden scheint. Einen weiteren Glanzpunkt setzen die Japaner Yu und Jin. Locking nennen die in Japan gefeierten Stars ihren Tanz, der sie als Puppen erscheinen lässt, die unter Strom stehen.
Humorige Verbindungen
Während die bisher genannten Künstler ohne Worte auskommen, bauen Annamateur & Aussensaiter auf das Wort, die Musik und den Gesang. Schon im Namen des Trios aus Deutschland wird deutlich, dass sie die Freaks par excellence sind, die der Programmtitel ankündigt. Was die Sängerin Anna, die von einem virtuosen Gitarristen und einem ebenso begnadeten Cellisten begleitet wird, mit ihrer Stimme zaubert, lässt sich kaum beschreiben. Zudem verfügt sie über eine komödiantische Ader, die bestens harmoniert mit dem, was man sich von Ursus & Nadeschkin seit Jahren gewohnt ist.
Und eben die beiden glänzen einmal mehr mit ihren humorigen Verbindungen der einzelnen Programmteile. Darüber hinaus gelingt es ihnen auch, die Künstler so in den Ablauf einzubinden, dass die Show als harmonisches Ganzes wirkt. Beim frenetisch applaudierenden Publikum bedanken sich die Akteure am Freitagabend, indem sie von der Bühne steigen – und Hände schüttelnd über die Zuschauerränge balancieren.
Hinweis: Für den letzten Auftritt von heute Abend um
20 Uhr sind an der Abendkasse noch Restkarten erhältlich.
(Text: Hansruedi Hürlimann/ Foto: Bernhard Fuchs)
(Im Bild: Annamateur & Aussensaiter)

