Ursus & Nadeschkin

Tagebuch

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10.09.2009

Urs träumt

Urs träumt

Rubrik 'Traumfänger', aus der Schweizer Familie dieser Woche:

>> vgl. auch NADJA TRÄUMT, Tagebucheintrag vom 15.8.09

«Ich wollte unbedingt Grossmutter werden»

Schweizer Familie: Urs Wehrli, als Kind hat man noch Träume - erinnern Sie sich?
Urs Wehrli: Ich wollte unbedingt Grossmutter werden.

SF: Warum denn das?
UW: Weil meine Grossmütter länger lebten als meine Grossväter.

SF: Und Sie wollten früh Künstler werden - allerdings eher ein stiller, zum Beispiel Autor oder Illustrator.
UW: Das Leben schickt einen eben nicht immer dorthin, wohin man es erwartet. Ich war nie ein Exzentriker, die Bühne nie mein Ziel. Aber das Leben ist spannender, wenn man sich Herausforderungen stellt.

SF: Mittlerweile dürfte es Ihnen nicht mehr schwerfallen, auf der Bühne zu stehen.
UW: Nein. Aber privat spreche ich nicht gerne vor Leuten. Ich bin nervöser und scheuer als auf der Bühne.

SF: Woran liegt das?
UW: Auf der Bühne kann ich meine Figur Ursus vorschicken.

SF: Hätten Sie sich Ihre Karriere je träumen lassen?
UW: So etwas kann man sich nicht erträumen. Sollte man auch nicht. Denn: Sobald man einen Traum erreicht, ist er vorbei.

SF: Sie sind Realist.
UW: Ich glaube schon. Mir ist nicht wohl, wenn ich zu stark ins Träumen komme. Das macht mir eher Angst.

SF: Angst?
UW: Sobald etwas ungreifbar wird, ist es mir nicht geheuer. Ich mag es übersichtlich.

SF: Träumen Sie nachts so schnell, wie Sie auf der Bühne sprechen?
UW: Ich träume sehr schnell - und wirr. Die Situationen sind oft absurd; fünf, sechs Themen vermischen. Ich bin begeistert, was einem Träume bieten. Das ist oftmals besser als Kino.

SF: Verraten Sie einen?
UW: Letzte Nacht war ich mit meiner Lebenspartnerin Brigitta beim Elternabend unseres Sohnes Jodok - dabei ist er erst drei. Sobald wir das Schulhaus verlassen hatten, stand ich alleine vor einem Riesenrad ohne Gondeln. Als ich mich umdrehte, war ich plötzlich an einem Pferderennen. Eine Wohnsiedlung und das Schengener Abkommen kamen in meinem Traum auch noch vor.

SF: Plagen Sie wiederkehrende Träume?
UW: Wenn ich an einem Tag viel mit dem Auto oder Velo unterwegs bin, fahre ich nachts in meinen Träumen einfach weiter. Bin ich in den Bergen, träume ich jeweils, ich sei permanent auf der Skipiste. Ich kann nicht anhalten. Es hört erst auf, wenn ich erwache.

SF: Starten Sie Ihren Tag mit einem Ritual?
UW: Ich brauche ein ausgiebiges Frühstück. Sonst bin ich den ganzen Tag ungemütlich.

SF: Sie sagten einst, Sie wollten jeden Tag so leben, dass Sie am folgenden sterben könnten. Fürchten Sie sich nicht vor dem Tod?
UW: Nein. Ich bin davon überzeugt, dass danach etwas kommt. Es kann nicht plötzlich alles fertig sein. Ich habe ein Urvertrauen ins Leben, ins Nichtleben. Ins Dasein, ins Universum.

SF: Wie lautet Ihr Lebensmotto?
UW: Gut ist überhaupt nicht besser als schlecht. Das bedeutet für mich: Alles ist für etwas gut - auch weniger schöne Erlebnisse.

SF: Sie waren sieben Monate im Gefängnis, weil Sie den Militärdienst verweigert haben. War das auch für etwas gut?
UW: Im Nachhinein schon. Es hat mich gestärkt, für eine Entscheidung geradezustehen und die Konsequenzen zu tragen. Natürlich war es auch schwierig - manchmal. Wenn ich nicht mit vier anderen Häftlingen Tongefässe glasierte, war ich allein in meiner Zelle. Dann hatte ich viel Zeit zum Träumen.

SF: Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, wie würde der lauten?
UW: Wünsche sind immer bloss in der Möglichkeitsform. Deshalb würde ich als Erstes diese Möglichkeitsform verbieten.
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Dieser Artikel wurde in der Ausgabe 09/37 der Schweizer Familie publiziert.

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