Tagebuch
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06.10.2009
im Föjeton der NZZ

© Neue Zürcher Zeitung, 02.10.2009
Feuilleton
Eine «Zugabe» von Ursus und Nadeschkin
Ginge es nach den Philosophen, dann bliebe das Lachen eine hygienische Angelegenheit, die Blockaden löse, Verdrängtes an die frische Luft befördere und überhaupt für die Etablierung eines pfleglichen Leib-Seele-Verhältnisses zuständig sei. Wer je das Schweizer Duo Ursus und Nadeschkin erlebt hat, muss unwillkürlich an Henri Bergsons «élan vital» denken, welcher sich lachend über mechanische Versteifungen hinwegsetzt. Jetzt, da das Duo exakt zehn Jahre nach den «Hailights» seine zweite CD als «Zugabe» präsentiert, ist die ungebrochen komische Kraft der überdrehten Wortwechsel zu geniessen. Wobei sich erneut herausstellt, wie eigenständig Ursus Wehrli und Nadja Sieger im Kontext traditionellen Kabaretts agieren. Statt sich die Lacher durch Anspielungen auf das im Namen der «political correctness» Geächtete zu holen, schafft sich das ewig zankende Duo binnen weniger Minuten eine genuin eigene Präsenz. Dem Selbstverständnis und der Ausbildung nach bleiben sie Clowns, die auf der Suche nach dem roten Faden in immer weitere Abschweifungen geraten. Dem feinen Sinn für Timing, der Choreografie von Zusammenspiel und Auseinanderdriften und nicht zuletzt dem Mut zum scheinbar Einfachen dankt sich ein Klangkunststück, dessen selbstironisches Feixen weit über die Tiefebenen deutschsprachiger Witz-Paraden hinweg glimmt.
Zintzen C. (CZZ)
Ursus und Nadeschkin: Zugabe, 1 CD (63 Min.), Kein & Aber, 2009.

