Tagebuch
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17.06.2002
Mocca spricht

(Foto: Tom Kawara)
«Ich weiss nicht, wie lange ich jetzt schon mit diesen beiden Menschen unterwegs bin, ich habe keine Ahnung, denn ich bin ein Hund und habe kein Zeitgefühl. Ich weiss nur, dass wir dauernd wieder an anderen Orten sind und ganz viele andere Tiere sind auch dabei.
Manchmal werde ich mitsamt meiner Tasche, in der ich gemütlich schlafe, von dem einen der beiden Menschen auf die Schulter genommen und dann gehen wir an ganz vielen grossen, grauen Tieren vorbei auf einen runden sandigen Platz. Dort ist es ganz hell und warm. Ich werde hingestellt und spaziere dann im Kreis herum und dann hält mir der Mensch einen Ring vors Gesicht und dann kommt ein rauschendes Geräusch von ganz vielen Menschen, die um den Sand herum sitzen. Dann redet der eine Mensch mit diesem anderen Menschen, mit dem komischen Gestrüpp auf dem Kopf. Dann werde ich von der Leine befreit und renne dem einen Menschen im Kreis hinterher und versuche ihm in die Hose zu beissen, was mir aber nicht gelingt, weil der so schnell rennt. Und dann bekomme ich ein Stück Wurst.
Im Moment ist es endlich schön warm in der Luft, das finde ich super, weil ich komme ursprünglich aus dem Kongo und dort ist es auch heiss. Und ich möchte gar nicht unbedingt im Kreis herum rennen, weil ich das viel zu anstrengend finde, wenn es so schön warm ist. Ich würde lieber den ganzen Tag in der Sonne liegen.
Seit es so warm ist, muss ich, bevor wir an den grossen grauen Tieren vorbeigehen, unter die Dusche, das finde ich ganz blöd, weil ich finde Wasser blöd. Aber die Menschen meinen, ich renne dann eher im Kreis herum.
Na ja. Hauptsache, ich kriege danach Wurst.
Und eigentlich ist mir das alles sowieso völlig egal.»

