Tagebuch
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28.10.2011
© Süddeutsche Zeitung

Genialer Nonsens
Ursus & Nadeschkin im Lustspielhaus
München - Die amerikanische Presse hat sie die 'German Marx Brothers' getauft, die Laudatoren ihrer zahlreichen Preise verglichen sie mit Stan Laurel und Oliver Hardy oder mit Becketts Endspielern Clov und Hamm: Ursus & Nadeschkin. Seit 1987 spielen Nadia Sieger und Urs Wehrli - der 'Kunst aufräumen'-Wehrli - mit der Sprache. Verdrehen Wörter, wirbeln die Grammatik durcheinander. Das ist ihr Standbein. Mit dem anderen, dem Tanzbein, performen sie ihre Sprach(er)findungen irgendwo zwischen Artistik und Theater, Clownerie und Kabarett. Ursus&Nadeschkin sind Schweizer. Und in der Schweiz, genauer in Zürich, ging vor nun bald hundert Jahren eine literarische Revolte aus: Dada. Die Dadaisten um Hugo Ball trugen im 'Cabaret Voltaire' ihre Lautgedichte vor, 'Ursus&Nadeschkin' rappen 'Hoppe, doppe, da'. Oder erzählen Witze, beispielsweise diesen: 'Wenn ein englischer Hund gegen einen Baum rennt, macht"s dog. Wenn eine Ente gegen einen Baum läuft, macht"s duck.'
'Zugabe' heißt das nunmehr achte Programm von 'Ursus&Nadeschkin', mit dem das Duo derzeit im Lustspielhaus gastiert. Es versteht sich als Best-of aus 24Jahren Bühnenleben und besitzt bereits ein famoses Entree: Die beiden - sie, wie immer flippig in der knallgelben Latzhose, er, wie immer akkurat im Anzug - gehen eine geraume Zeit hintereinander im Kreis. Die ersten Lacher sind nur eine Frage der Zeit, die Antwort darauf liegt natürlich auch schon parat: 'Da sind einige mit wenig zufrieden.'
Aber was heißt hier wenig: Genialer Nonsens beruht auf Timing. Vielbeschworen, trifft es auf die Kunst von Nadia Sieger und Urs Wehrli wirklich zu. Ihre Synchronsprech-Nummern verblüffen immer wieder aufs Neue. Alles besitzt hier seinen Rhythmus, ist perfekte Sprachmusik. Das Programm hält bis zum Schluss, was es verspricht. Und tosendem Applaus folgt eine 'Zugabe' nach der anderen.
(Text: Florian Welle)

