Tagebuch
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06.11.2011
München grüsst

Wir werden hier in Berlin gerade nicht mit Presse-Echo überhäuft, weil neben uns in dieser Metropole eben noch zwei, drei andere Sachen stattfinden (ok, vielleicht sind es auch vier)...
umso besser, dass uns heute ein schöner Bericht unseres Gastspieles von voriger Woche in München erreicht:
Aus der ABENDZEITUNG MÜNCHEN:
SCHWEIZER PRÄZISIONSKOMIK
Ursus & Nadeschkin geben ihre «Zugabe» aus 25 Bühnenjahren im Lustspielhaus.
Humoristen waren nie ein massenhafter Exportschlager der Schweiz, aber diejenigen, die auch diesseits des Bodensees ankamen, brachten zuverlässigeren Gewinn als ein Zürcher Bankhaus. Franz Hohler etwa, der poetische Polit-Barde am Cello, Emil Steinberger, der im eigenbrötlerisch eidgenössischen Kleinbürger einen sprudelnden Quell der Komik entdeckte, oder aktuell der virtuose Stimmkünstler Martin O. Und seit einem knappen Vierteljahrhundert bezaubern Nadja Sieger und Urs Wehrli unter dem Markenzeichen Ursus & Nadeschkin mit einer unkopierbaren Mischung aus Clownerie und Comedy.
Jetzt geben sie im Lustspielhaus eine «Zugabe» mit ihren Lieblingsnummern seit 1987. Da hätte man gerne Mäuschen gespielt bei den Diskussionen über die Auswahl, denn es gibt im Schaffen des charmant-amüsanten Duos nichts, was man nicht noch mindestens einmal sehen möchte. Auffällig ist die Zurückhaltung bei der eher sprachlosen Artistik. Das ist vermutlich der Vermarktung der «Zugabe»-Tonträger geschuldet, auf denen sich fantastische Nummern wie Urs als zielsichere Teekanne aus dem vorigen Programm «Weltrekord» nicht darstellen lassen.
Das Verrückteste an dem Pärchen, das sich erinnert, sich einst beim «Synchronschwimmen Einzel» kennengelernt zu haben, ist aber nicht der verrückte Sprachwitz, sondern die offenbar unverwüstliche Frische der Sketche. Selbst kalkuliert verschnarchte Sujets wie eine «Ärzte-Szene» oder die Balkon-Szene aus «Romeo & Julia» sind dank überreicher Selbstironie, homöopathisch dosierter Anarchie und einem Timing, dessen Präzision an den legendären Ruf Schweizer Uhrwerke anknüpft, herzerwärmende Komik-Kunststückchen.
Mathias Hejny

