Tagebuch
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15.10.2012
Es gibt noch Tickets in Luzern!

Leider standen heute im grossen Artikel der Luzerner Zeitung ausgerechnet die beiden Vorstellungen nicht drin, wo's noch Karten gibt!
Darum: Es gibt noch welche, und zwar für die beiden Vorstellungen im KKL Luzern, am 30. und 31. Oktober 2012!
VVK: KKL 041 226 77 77 (Mo bis Fr 13-18.30 Uhr)
© Neue Luzerner Zeitung, vom 15.10.2012
Kultur / Von der Zeit, die niemand hat
Ursus & Nadeschkin feiern ihr 25. Bühnenjubiläum mit einem Stück, das so schnelllebig ist wie unsere Zeit. Und doch ist das Stück «Sechsminuten» abendfüllend.
Eine Fotografie aus dem Jahr 1987: Sie ist damals 19, er 18. Über den Köpfen beider wehen gewaltig verstrubelte Haarmähnen, sie tragen drollige Clownnasen, die passende Schminke ist dick aufgetragen. Es ist ein Bild aus den gemeinsamen Anfängen der Zürcherin Nadja Sieger, bekannt unter dem Bühnennamen Nadeschkin, und dem Aarauer Urs Wehrli alias Ursus – und bringt ihre Anfängervorstellungen von klassischer Zirkusclownerie schön auf den Punkt. «Wir wussten es halt damals nicht besser», sagt Nadeschkin.
Ein Vierteljahrhundert ist vergangen, und seither ist bei Ursus & Nadeschkin vieles anders (und besser) geworden. Aus Autodidakten wurden Profis, die stets wach und neugierig blieben und so lernten, sich immer wieder neu zu erfinden. Die Frisuren unterscheiden sich längst markant (Ursus: ganz kurz, Nadeschkin: weiterhin ganz wild), auch wurde der Einsatz von Maske stark reduziert. «Wir haben uns im Verlauf der Jahre immer weniger verkleidet und geschminkt», so Nadeschkin.
Nicht zu vergessen, dass zwei ursprünglich stumme Bühnenkünstler seit langem die Verbalakrobatik zu einem ihrer Markenzeichen gemacht haben. Als sie sich 1987 bei einem Zirkuskurs in Wiesbaden kennen lernten und denselben mangels Gefallen unverzüglich schwänzten, um auf Strassen und Gehsteigen erste Nummern zu probieren, sprachen sie nichts. Und dabei macht heute nicht zuletzt der pfeilschnelle Wortwitz, das verbale Hin und Her zwischen ihm und ihr (und dem Publikum) die komödiantische Substanz von Ursus & Nadeschkin aus.
Hochdekoriertes Duo
Das Duo wurde also auf der Bühne immer «authentischer» und entwickelte dabei eine eigentümliche Mélange aus Theater, Kabarett, Artistik und Clownerie, die sie in die Top-Liga hiesigen Comedy-Schaffens führte. Ihr Palmarès: sieben abendfüllende Bühnenproduktionen seit 1989, davon eines auf Englisch, ein Kinder-/Jugendprogramm, eine Tournee mit dem Zirkus Knie, eine Produktion mit Sinfonieorchester, unzählige TV-Auftritte, zudem hochdekoriert mit nationalen und internationalen Theater- und Kleinkunstpreisen.
«Sechsminuten» heisst nun die neuste Produktion von Ursus & Nadeschkin, mit der das Duo in den nächsten Wochen in der Zentralschweiz gastiert – kein Jubiläumsprogramm, sondern einfach ein neues Programm im Jubiläumsjahr, wie Nadeschkin präzisiert.
Wieder führt Tom Ryser Regie, der dem Duo seit vielen Jahren der unentbehrliche Dritte ist. Und wieder «ist das Stück total anders als unsere früheren Produktionen», so Nadeschkin. «Thema ist die Zeit, die heute niemand mehr hat.» Innert sechs Minuten wird daher die kürzeste Show der Welt durchgepaukt, damit das gestresste Publikum Zeit sparen und sich hernach wieder anderem zuwenden kann. Doch das dauert, wie sich in diesem Stück zeigt: Aus sechs Minuten werden knapp zwei Stunden, aus einem rasanten Start wird ein entschleunigtes Geschehen. Abendfüllend.
In Bewegung
Und doch lebt «Sechsminuten» auch von der Bewegung: Es wird (ganz in Weiss) viel und mitreissend getanzt, was insbesondere Nadeschkin entgegenkommt, die als «bewegungshungriger Mensch» auch in ihrer Freizeit gerne und häufig aufs Tanzparkett geht. Darin unterscheidet sie sich von ihrem Bühnenpartner, der lieber «Kunst aufräumt» oder von der «Kunst, aufzuräumen» berichtet – wie vor einigen Jahren drei viel beachtete Soloprojekte von Urs Wehrli hiessen.
Dass die zwei, die privat übrigens nie ein Paar waren, auch nach 25 Jahren noch gemeinsam auf der Bühne stehen, mag mit ihrer je ganz anderen Art zusammenhängen. «Wir zelebrieren die Unterschiedlichkeit», sagt Nadeschkin. «Wir müssen nicht wie im wirklichen Leben die Harmonie suchen und können uns immer wieder ‹Tschüss› sagen.»
HINWEIS
Fr/Sa, 2./3.11., je 20 Uhr, Kleintheater Luzern, Tickets: www.kleintheater.ch
Text: Stefan Christen
Foto: Geri Born

