Tagebuch
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09.07.2004
Tafelhallencrew

Anke Engelke hatte recht, als sie kürzlich sagte: «Man merkt, dass es Sommer wird – der Regen wird wärmer.»
So war auch unsere Tour in den letzten Tag vom Wetter geprägt, und wir mussten uns an den Sommerfestivals statt den lauschigen Open-Air-Spielorten mit den gedeckten Ausweichspielorten begnügen. Wenn die «Notvarianten» jedoch so perfekt betreut sind wie in Nürnberg, kanns gerne weiterregnen!
Ein Gruss in die Tafelhalle und natürlich auch nach Siegen!
Dem Wetter zum Trotz gabs immerhin eine aufhellende Kritik in den Nürnberger Nachrichten:
«Hailights» im Schnelldurchlauf
Ursus & Nadeschkin in Nürnberg
Diese Schweizer. Haben tolle Berge und klasse Käse. Aber Humor? Böse Zungen behaupten, dass die Eidgenossen sogar zum Schmunzeln in den Keller gehen. Alles Unsinn! Seit das Clown-Duo Ursus & Nadeschkin zum Tränenlachen in die Nürnberger Tafelhalle lud, steht fest, dass solche Unterstellungen lachhaft sind.
„Hailights“ heißt das Comedy-Projekt des ungleichen, aber bestens eingespielten Doppels, das seit 16 Jahren gemeinsame Sache macht — und mit „Haispeed“ geht es vom Start weg durchs Programm. Dem Publikum bleibt da überhaupt keine Chance. Es wird von den beiden Energiebündeln einfach überfahren — im besten Sinne, versteht sich. In Sekundenschnelle haben Ursus, der Nachsichtige, und Nadeschkin, die rotzfreche, hyperaktive Göre mit Struwwelpeterfrisur, ihr Auditorium am Haken — und müssen nur noch die Strippen ziehen.
Streitsüchtige Sprachakrobaten
Mit einem Affenzahn liefern sich die beiden streitsüchtigen Sprachakrobaten ein atemberaubendes Wortgefecht in Schweizer-Deutsch, laufen sich gegenseitig in die Verbalfalle und jagen sich die Pointen ab, dass es an Mundraub grenzt. Doch es geht noch eine Ecke flotter. Wer zu spät zur Vorstellung erscheint, bekommt das Versäumte prompt im Schnelldurchlauf nachgeliefert, wird kurzerhand ins laufende Programm einbezogen und kommt so schnell nicht wieder raus. Improvisation ist eben die halbe Miete, und darin ist das Comedy-Couple unschlagbar.
Da fällt es auch nicht weiter ins Gewicht, dass die Spaßepisoden größtenteils in Einzelportionen serviert werden und als roter Faden der Running Gag herhalten muss. Und wenn’s die Stimmung steigert, wird auch mal der Witz vom Hai erzählt. Viel überzeugender führen die Sinnverdreher im Namen des Wortwahnwitzes mit Mut zur Selbstironie vor, wie schwer es ist, eine Tragödie so zu inszenieren, dass sich am Ende nicht der gesamte Saal vor Lachen biegt. Bleibt zum Schluss nur eine Theorie: Tief im Inneren müssen die Schweizer doch Humor haben. Die meisten haben ihn nur einfach noch nicht entdeckt.(bin)
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