Tagebuch
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21.11.2004
«Fremde im Paradies»

TV-Premiere!
Im Bild: Das Ehepaar Stein
(Foto: Geri Born!)
ZÜRICH. Nadja Sieger (36), die eine Hälfte des Duos «Ursus & Nadeschkin[50]», zeigt ihre weibliche Seite: Für «Fremde im Paradies» (heute, 20.30 Uhr, SF 1) spielt sie die biedere Hausfrau Flora Stein.
Nadja Sieger, was reizt Sie an der Rolle des Huschelis?
Nadja sieger: Ich finde im Alltag viele solcher «Floras» - sie sind traurige Existenzen. Einerseits. Andererseits aber auch sehr liebenswert, gerade weil man ihre Mängel so deutlich sieht.
Flora Stein ist eine unsichere Person. Nadja Sieger auch?
Ich bin oft unsicher und habe Angst vor dem Versagen. Manchmal stehe ich hinter der Bühne und denke: «Oh Gott, das schaff ich nicht!» Je länger du im Job bist, desto besser weisst du, wie viel du falsch machen kannst.
Dann sind Sie vielleicht auch ein wenig bünzlig?
Also ... ich bin sehr ordentlich. Und sehr genau, das ist sicher bünzlig. Und was noch ...? Ich komme schnell in Situationen, in denen ich nicht weiter weiss. Aber das hängt damit zusammen, dass ich immer irgendwie nicht reinpasse.
Dann fühlen Sie sich fehl am Platz ...
... und kann Flora gut verstehen, die eben auch nicht ins System passt. Der Film «Fremde im Paradies» zeigt, wie unendlich einsam ein Leben in vermeintlicher Idylle sein kann. Ich glaube, der Mensch braucht eine gewisse Portion Chaos, um sich wohl zu fühlen.
Im Film zeigen Sie sich erstmals sehr weiblich. Als Nadeschkin[50] sind Sie androgyn.
Ich will einfach nicht mit den klassischen weiblichen Reizen ins Rennen gehen. Das ist so simpel und einfach. Ich gebe aber auch nicht den Machotyp. Nadeschkin[50] ist zwar manchmal rabiat, aber sie hat immer etwas Weiches. Wer genau hinschaut, spürt, dass diese Figur verletzlich ist.
Mussten Sie Ihre Weiblichkeit ablegen, um Erfolg zu haben?
Schwierige Frage. Ich weiss es nicht. Ich bin ja als Clown gestartet. Clowns sind eher geschlechtsneutral. In Latzhosen kann ich sexy sein, aber dann auch wieder burschikos. Das gefällt mir.
Flora will unbedingt Kinder. Ist das auch für Sie ein Thema - trotz Ihres aufreibenden Jobs?
Ich glaube, es würde funktionieren, wenn ich wollte. Ich lass mich aber nicht stressen. Im Moment bin ich neu verliebt und möchte das nicht gleich mit so einer Diskussion belasten.
Viele Frauen merken mit 40, dass Sie die Chance verpasst haben ...
Damit mir das nicht passiert, setze ich mich mit der Frage auseinander, seit ich 28 bin. Alle meine Freundinnen haben inzwischen Kinder, das Thema ist mir also nicht ganz fremd.
Sie geben, wie es scheint, in der Rolle der Flora viel von sich preis.
Ich mag die Figur. Wenn die Zuschauer sehen, dass in ihr ein Teil von mir steckt, ist das okay. In der Komik liegen Ehrlichkeit und Verletzlichkeit nahe beieinander. Verletzlichkeit kommt durch Fehler. Ich suche mein ganzes Leben lang nach meinen Fehlern, damit ich weiterkomme.
INTERVIEW: CLAUDIA MARINKA

