Tagebuch
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28.04.2005
© Zofinger Tagblatt, 26.04.2005

Wortgewaltiges Paar
Zofingen:
Ursus und Nadeschkin faszinierten!
«Hailights» ist voller Überraschungen und erfrischendem Humor. Ursus und Nadeschkin entzückten das Stadtsaal-Publikum und ernteten dafür frenetischen Beifall.
Über Humor lässt sich bekanntlich streiten. Unbestritten komisch und unterhaltsam sind Ursus und Nadeschkin. Jedenfalls eroberte das ewig zankende Paar am Sonntag das Publikum im Zofinger Stadtsaal im Nu. Die beiden benötigen weder ein aufwändiges Bühnendekor noch glitzernde Kostüme. Mit etwas Licht, zwei Stühlen und ihrer Präsenz füllen sie die Bühne aus und bestechen mit Können, Spielfreude und rascher Auffassungsgabe. Nadeschkin ist der quirlige Wirbelwind und Ursus der ruhende Pol. Einzeln könnten sie in der Kabarettszene sicher bestehen, doch erst zusammen ergibt sich die besondere Mischung.
Der Name «Hailights» ist im wahrsten Sinne des Wortes Programm. Zweieinhalb Stunden stehen ein Hai und ein Uhu im Zentrum des Gelächters. Die Witze sind lustig, doch das Weitererzählen wird wohl nicht so erfolgreich gelingen. Ursus und Nadeschkin kann man ebenso wenig kopieren, wie man sie in eine Sparte zwängen kann.
Seit nunmehr 17 Jahren steht die Komödiantin Nadja Sieger als Nadeschkin an der Seite von Ursus/Urs Wehrli auf den Bühnen zwischen Wien, Berlin, London, New York und Arosa (Humor-Festival). Gemeinsam entzücken sie die Zuschauer mit Bewegungs- und Sprachakrobatik, satirischer Parodie und artistischen Spielereien. Die beiden schaffen es, dass sie unzählige Male denselben Witz bringen können und der Saal immer noch darüber lacht. Wie über «Maja und René» - die beiden Zuschauer, die am Sonntag wirklich zu spät zur Aufführung gekommen sind. Die beiden hatten Glück, überhaupt einen Platz zu haben. Die Vorstellung, die die Musik- und Theaterkommission Zofingen ausserhalb des Saisonspielplans anbot, war innert kürzester Zeit ausverkauft.
Inhalt vermittelt das Kabarettistenpaar nicht. Es ist belangloses Geplauder - Nonsens auf sehr hohem Niveau. Als Zuschauer ist man sich dessen voll bewusst, und gerade deshalb so fasziniert. Die beiden bieten nicht Schenkelklopfer, sondern überraschen fortwährend mit Feinheiten, Anspielungen und Wortspielereien, die sie mit visuellen Eindrücken paaren. Eine ihrer zahlreichen Stärken ist zudem, dass sie nicht einfach auf der Bühne stehen und ihre Arbeit tun. Sie sind voll und ganz da, beziehen das Publikum mit ein, reagieren auf jede Bewegung im Saal und lassen auch das klingelnde Handy nicht wortlos verstummen. Gut, das tun immer mehr Kabarettisten. Doch nicht allen gelingt es auf so charmante und unterhaltsame Weise.
(Emiliana Gutzwiller)

