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21.07.2002
Das intime Interview

(Fotos:Tom Kawara/Sebastian Derungs)
1.)
Nachdem Sie jetzt 15 Jahre lang mit dem/der immer gleichen Partner/in ihre Bühnenprogramme bestritten haben, arbeiten Sie jetzt im Zirkus zusätzlich mit einem ganz neuen Partner. War das schwierig am Anfang?
N: Es war Liebe auf den ersten Blick. Dann wurde es - wie immer - schwieriger. Normalerweise bin ich es, die gerne und viel improvisiert, Cecil drehte diesen Spiess sofort um. Ich musste bei ihm anfangs auf alles gefasst sein.
U: Ja, es war schon schwierig. Kennengelernt haben wir uns in der Fischabteilung bei Coop und ich hatte einige Mühe, bis ich meine neue Bekanntschaft aus der eingeschweissten Verpackung rausbekam.
2.)
Das Zusammenspiel ist relativ intim. Einmal küssen Sie sich sogar, wie fühlt sich das an?
N: Kommt drauf an, ob Cecil das Maul geschlossen hat oder nicht. Auf jeden Fall riecht es im schlimmsten Fall so, wie wenn da ein Robbenmännchen seit 15 Jahren rohen Fisch isst, ohne dabei je die Zähne zu putzen!
U: Glitschig halt, aber daran gewöhnt man sich. Man muss aufpassen, dass man bei innigen Küssen nicht abrutscht.
3.)
Ist Ihnen die Tatsache, dass dabei 2500 Menschen zuschauen, nicht unangenehm?
N: Im Gegenteil. Küssen verbindet.
U: Es ist tatsächlich nicht immer einfach, wenn man einen so intimen Moment nicht unter vier Augen geniessen kann, aber ich bin der Meinung, man soll zu seinen Gefühlen stehen und sie auch in der Öffentlichkeit zeigen!
4.)
Freuen Sie sich jeweils auf diesen Moment?
N: Natürlich. Wann hat man schon einmal die Chance einen echten Seelöwenbullen zu küssen. Ausserdem ist sein Blick jedesmal von Neuem umwerfend… Cecil bringt 200kg mit in die Manege und hat eine Menge Charme!
U: Da ich stets darauf hoffe, dass sich der Fisch einmal in eine Prinzessin verwandelt, bin ich immernoch voller Vorfreude.
5.)
Was sagt Ihr/e Lebenspartner/in dazu?
N: Ich sag ihm nicht die Wahrheit. Er glaubt, dass ich nur Cecils kleines, trockenes Näschen küsse.
U: Ja, das ist nicht ganz einfach, so eine Dreiecksbeziehung, aber wir versuchen uns zu arrangieren und darüber zu reden. Die Paartherapie, die wir zurzeit machen, hat uns dabei schon viel geholfen.
6.)
Könnte durch diese allabendliche Küsserei eine neue, ernsthaftere Beziehung erwachen?
N: Da bilde mich mir nichts ein. Cecil ist ein ehrlicher Knabe! Ich weiss, woran ich bin: Er küsst mich nur, weil's dann ein Fisch gibt.
U: Auf jeden Fall, nach dieser doch schon relativ langen Zeit haben wir auch bereits einige gemeinsame Interessen entdeckt. Ausserdem haben wir beide Schuppen.
Ich danke für das aufschlussreiche Gespräch.
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