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FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG • KULTUR / S:54
20.02.2004

Beton, Beton, Gras, Gras
Ursus & Nadeschkin in Höchst

Dabei hat er sich alles so toll ausgedacht. Kärtchen im Publikum verteilt, Bumerangs kreisen lassen und Raketen gezündet, so etwas wie Musik gemacht und überhaupt das Publikum ganz glänzend unterhalten mit seiner dadaistisch inspirierten Performance. Und dann das: Nadeschkin schwebt aus heiterem Himmel mit dem Hubschrauber ein, Nebelschwaden steigen über der Bühne auf, und der kommende Star am Pop-Firmament stimmt Nina Hagens „New York“ an, dass es nur so kracht. Ursus ist sprachlos, das Solo im Eimer. Und Shakespeare an allem schuld. Denn mit „Romeo und Julia“ hat alles angefangen, mit Nadeschkins Weigerung, die Julia zu geben, und mit Ursus’ miserablem Englisch. Nicht dass die Schweizer Komiker das Liebesdrama neu erfunden hätten. Na eigentlich doch. Bei „Romeo und Julia“ aber trat nach 16 gemeinsamen Jahren auf der Bühne erstmals jenes rätselhafte Leiden auf, das sich in „akuter Synchronität“ äußert.
Was sie auch sagen und machen und tun, es ist wie verhext: „Beton, Beton, Beton. Gras, Gras, Gras, da helfen keine Pillen. Ursus & Nadeschkin kommen nicht raus aus der Synchronitätsfalle, und so gibt es nur eins: ein „Solo!“. Also zwei. Gleichzeitig. Und von nun an wird es turbulent im Neuen Theater Höchst, macht sich Nadeschkin über Ursus’ „Subventionstheater“ lustig, bringt dieser seine Raketen in Stellung und seine stärkste Waffe, das Publikum, gibt ein Wort das andere, herrschen Neid und Missgunst, bis beide Programme, gleich ob avangardistisch oder glamourös, grandios zu scheitern drohen. So kann das nichts werden. Also errichten sie nach der Pause eine „amerikanische Wand“ auf der Bühne und quer durchs Publikum, und endlich hat jeder seine Ruhe.
Denkste. Denn natürlich können die beiden nicht ohne einander, sind doch neugieriger als die düpierten Zuschauer.
Was auch immer das sein mag, was sie da mit ihrem „Solo!“ auf die Bühne zaubern, Clownerie, Kabarett oder Theater, es ist ein atemberaubendes Spiel quer zu allen Genres, und es ist großartig. Wortakrobatik und absurdes Theater, herrlich sinnlose Miniaturen und „Extrem-Monologisieren“, Eifersüchteleien und Sabotage verdichten sich zu einer Liebeserklärung zweier wunderbarer Solisten an das Theater, der Unfug und das Artistenleben zu zweit. Und, ganz wie unter Shakespeares Balkon, Romeos an seine Julia. Nicht ganz so tragisch, aber komisch.
(CHRISTOPH SCHÜTTE)











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