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15.04.2007

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(Foto: Konzertsaal Solothurn - «danach»)

«Weltrekord» von Ursus & Nadeschkin

Keine Flaschen auf der Bühne

Wenn das erfolgreichste Schweizer Komikerduo Ursus & Nadeschkin nach Solothurn kommt, füllt sich der Konzertsaal gleich an zwei Abenden bis auf den letzten Platz. «Weltrekord» heisst ihr aktuelles Programm.

Eigentlich wollten die beiden am Freitagabend einen neuen Weltrekord im Synchronreden aufstellen, denn für Ursus & Nadeschkin, die seit genau 20 Jahren zusammen auf Bühnen im In- und Ausland unterwegs sind, gibt es keinen Zweifel: «Im Laufe der jahrelangen Zusammenarbeit sind wir mental brutal kongruent.» Hätten sie allerdings gewusst, dass der bestehende Rekord bei 40 Minuten liegt, wären sie wohl gar nicht angetreten, was jammerschade gewesen wäre.

Wie die beiden nämlich während vier Minuten und zwanzig Sekunden in einem Höllentempo völlig synchron, Sinniges, herrlich Unsinniges, Verständliches oder hoffnungslos Unverständliches herunterhaspeln, lässt den Zuschauer einfach nur staunend an ihren Lippen kleben. Da sind ganze Kaskaden in einer erfundenen Fremdsprache oder dadaistisch anmutende Satzkonstrukte wie «Ich han (Pause), also öh, öh (Pause, Pause) hüt isch....» und schliesslich abrupt endend mit «Beton, Beton, Beton, Bahnhof.»

Wort für Wort präzise

Unglaublich, mit welcher Präzision sie nach Unterbrüchen im Sprachfluss wieder zusammen einsetzen. Wie identisch Betonungen, Dehnungen sind. Eine wahre Meisterleistung und unglaublich witzig. Schon liegen sie sich während des gewaltigen Applauses des Publikums siegessicher in den Armen, fragen jubelnd in den Raum, wo der Preis abzuholen sei. Dann das ernüchternde Urteil der Jury: Keine Chance auf einen Weltrekord. Toller Regie-Einfall (Regie: Tom Ryser), wie die «Jury» supponiert wird: Die Bühnenbeleuchtung dunkelt abrupt ab, dafür erfasst ein greller Lichtkegel die beiden Protagonisten. Nadeschkin (Nadja Sieger) bringt die Jury durch haarsträubende Argumente dazu, andere Berechnungsformeln anzuwenden, pocht auf eine Art «Netto-Resultat». Das führt für sie und Ursus (Urs Wehrli) allerdings zu nervenaufreibendem Warten auf das Resultat. Eine der Szenen, wo man die beiden als fantastische Schauspieler und Mimen erlebt. Beleidigt, beunruhigt, nervös warten und warten sie, bis sie es nicht mehr aushalten. Es beginnt ein Schlagabtausch, wer nun was falsch gesagt haben könnte. Der erneute Jurybefund sieht gar ein Minus an Punkten.

Was das Komikerduo, das bereits mit praktisch allen renommierten Auszeichnungen und Kleinkunstpreisen bedacht wurde und jede Menge TV-Aufzeichnungen hinter sich hat, alles drauf hat, ist eindrücklich. Besticht Ursus zusätzlich mit einer super Schlagzeug-Einlage, steht ihm Nadeschkin mit einer mitreissenden Rap-Nummer in keiner Weise nach. Beide sind sie ausgezeichnete Ausdruckstänzer, Akrobaten, Mimen, und schaffen es grossartig, das Publikum auf geschickte Art ins Programm mit einzubeziehen. Nicht zu überbieten ist der Schlusspunkt der Show: Das Publikum soll Ursus & Nadeschkin doch noch zu einem Weltrekord verhelfen. Alle 580 Zuschauer sollen während zehn Sekunden ein PET-Fläschchen auf dem Kopf balancieren. Ein Riesengaudi, wenn da plötzlich auf der Bühne ganze Packungen von kleinen Wasserfläschchen stehen, die Fläschchen dann blitzartig von Hand zu Hand durch die Zuschauerreihen nach Hinten gereicht werden. Da kann sich nun wirklich niemand dem Zauber widersetzen, mitzumachen. Wenn schliesslich gebetsartig vom ganzen Saal der vorgesprochene Satz: «Ich habe eine rezyklierbare PET-Flasche auf dem Kopf und mache einen Weltrekord» gemurmelt wird, gleichzeitig alle ein Fläschli auf dem Kopf balancieren, ist das Gaudi perfekt. Eine Welle folgt. Und auf die Aufforderung von Ursus, das Fläschchen schön zu zerquetschen vor der Entsorgung, setzt im Nu ein nicht enden wollendes Knittern und Knattern ein. Das Publikum, köstlich amüsiert, bedankt sich mit tosendem Applaus für den amüsanten, unvergesslichen Abend.
(Text: Susi Reinhart)

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