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In Arosa ist der Bär los
13.12.2008
In Arosa ist der Bär los
Starbugs im Zirkus Knie 2009
12.12.2008
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Heute...
12.12.2008
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© Tages Anzeiger Zürich
10.12.2008
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Arosa, Teil 6:
07.12.2008
Arosa, Teil 6:

 

13.12.2008

In Arosa ist der Bär los



© Tages-Anzeiger; 13.12.2008

NICHT ALLE BESUCHER FINDEN DAS DIESJÄHRIGE HUMORFESTIVAL AROSA LUSTIG

Märsche in der Kälte und Feldweibel-Appelle
Von Peter Hummel

Als der damalige Kurdirektor Florenz Schaffner 1992 das Humorfestival gründete, hatte er eine Vision: Was Montreux für den Jazz und Locarno für den Film, sollte Arosa für Comedy werden. Bis heute vergiesst Schaffner Herzblut für sein Festival. Deshalb veröffentlichte er, inzwischen Kulturredaktor in der Zeitung «Sonntag», vor drei Wochen einen offenen Brief - er hinterfragte die Programmierung des Festivals, und er äusserte Sorge über einige konzeptionelle Änderungen des neuen Künstlerischen Leiters Frank Baumann. Das wiederum sorgte im Schanfigg oben für böses Blut, vor allem, weil die Kritik noch vor Beginn des Festivals kam. Doch im Grunde konnte nichts Besseres passieren, da eine breite Diskussion lanciert war.

Ohnehin ist der diesjährige Leitungswechsel eine grosse Chance: Nachdem Martin Vincenz 10 Jahre lang für ein hochstehendes Programm gesorgt hatte, um dann wegen Meinungsverschiedenheiten mit Kurdirektor Hans-Kaspar Schwarzenbach zu demissionieren, konnte Baumann unbelastet zu Werke gehen. Und er schien auch vor Ideen zu sprühen, wie die Ankündigung von schrägen Vorstellungen belegte, etwa Peach Weber mit Tom Waits. Nur: Zwischenzeitlich hat Baumann erkennen müssen, dass sich die Topshots des Showbusiness nicht aus dem Ärmel schütteln lassen. Dazu hatte sich sein Vorgänger quasi mit einem Best-of-Programm voller grosser Namen verabschiedet, die heuer nicht schon wieder auf der Affiche stehen konnten. So präsentierte Baumann ein Line-up mit einigen zugkräftigen Schweizer Künstlern (wie Cabaret Divertimento, Andreas Thiel oder Ohne Rolf), wenigen internationalen Grössen (wie Josef Hader oder Jango Edwards) und dafür umso mehr Entdeckungen wie Carmela de Feo oder Bodo Bach. Heute Samstag werden Monika Gruber und Konrad Stöckel noch für zwei frivole Schlusspunkte des Festivals sorgen.

Diese Art von Programmierung konnte nur bedingt ankommen. Vor allem in Verbindung mit der umstrittensten Neuerung: Baumann verlegte das Festival vollständig vom Dorf auf den Berg, indem er die Abendvorstellungen vom Kursaal ins Zelt bei der Tschuggenhütte verschob. Die Folge: Rund die Hälfte der Vorstellungen, insbesondere unter der Woche, war weniger als zur Hälfte, teilweise nur zu einem Viertel besetzt. Baumann sieht das natürlich positiv: «Bis auf zwei Shows hatten wir jedenfalls immer mehr Zuschauer, als im Kursaal Platz gehabt hätten. Und wir müssen gar nicht immer voll haben, Hauptsache, die Künstler hatten viel Freude und das Publikum grossen Spass.» Anders beurteilen es Ursus & Nadeschkin[100], die Arosa-erfahrensten Künstler, die heuer wieder die TV-Aufzeichnungen moderieren: «Halb gezogene Vorhänge als Raumteiler hin oder her - insbesondere für unbekanntere Künstler ist es brutal, vor halb leeren Rängen auftreten zu müssen statt in einem vollen Kursaal. Da werden gewisse Artisten schnell mal verheizt statt gefördert, erst recht bei der manchmal eh frostigen Atmosphäre im Zelt.»

Es gibt weitere Gründe, dass es heuer mit den Besuchern haperte: Erneut waren die Preise höher. Es gab keine der bisher üblichen Doppelvorstellungen. Es war doch sehr gewöhnungsbedürftig, bei Wind und Schnee zur 20-Uhr-Vorstellung bei der 2000 Meter hoch gelegenen Tschuggenhütte hochzustiefeln. Und im Zelt drinnen löste der Festivalleiter vor Vorstellungsbeginn mit seinen feldweibelmässigen Saalappellen zum Näherrücken auch nicht bei allen Anwesenden eitel Freude aus.

Dennoch muss man Frank Baumann grundsätzlich zubilligen: Er und sein motiviertes Team haben den Mut, Neues zu wagen. Vor allem die Aroser Hoteliers scheinen damit recht zufrieden, resultierten doch unter dem Strich mehr Übernachtungen. Sie konnten insbesondere deswegen mehr Packages verkaufen, weil die TV-Aufzeichnungen vorverlegt wurden und nicht mehr wie in früheren Jahren das Festival in zwei Teile spalteten. Auch von Besuchern seien viele positive Rückmeldungen eingegangen, hört man.

Baumann gilt als beratungsresistent, räumt aber ein, dass ihm zum Start wohl einige Fehleinschätzungen passiert sind. So habe er einen ganzen Rattenschwanz logistischer Probleme, welche die Konzentration auf das Tschuggenzelt mit sich bringt, zu wenig bedacht. Klar sei, sagt er, dass nächstes Jahr das Dorf Arosa wieder mehr eingebunden werden müsse. Auch Animation soll es wieder geben: Spass und Schabernack auf Pisten und in Hotels. Im Gegensatz zur Ankündigung anlässlich der Eröffnung, die Abendvorstellungen wieder im Dorf anzusiedeln, ist derzeit aber nur noch die Rede von den Spätnachtshows, die künftig in Hotels auferstehen sollen. Ein Testlauf am ersten Freitag im Kulm Hotel kam jedenfalls gut an.

Was das Programm angeht, muss man dem Künstlerischen Leiter Baumann zugestehen, dass seine Ouvertüre noch kein Gradmesser sein kann. Dem umtriebigen Werber und unerschrockenen Satiriker ist zuzutrauen, dass er sehr wohl noch ganz andere Namen im Kopf hat. Schliesslich hat er das nächstjährige Programm schon ganz und das übernächste schon grossenteils im Kasten. Wenn dann ein Überflieger wie Michael Mittermeier wieder auf Alp Tschuggen landet, wird man nicht mehr fragen, wieso das Zelt so gross, sondern weshalb es nicht grösser sei.

Und sollte Tom Waits einmal noch leibhaftig auftauchen, was angesichts von Frank Baumanns Hartnäckigkeit nicht auszuschliessen ist, so hätte er Arosa doch plötzlich ganz nah an die Vision seines Kritikers Florenz Schaffner herangebracht.




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