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Kultur

«Nächstes Jahr wieder im Dorf»
Nach der Kritik im «Sonntag»: Frank Baumann, der Leiter des Humor-Festivals Arosa, gibt Fehler zu

Der offene Brief im «Sonntag» an Frank Baumann, den Festivalleiter des Aroser Humor-Festivals, hat für Aufregung gesorgt. Baumann sagt nun: «Ich lasse mich auch belehren.»

Der neue Festivalleiter Frank Baumann hat am Humor-Festival in Arosa viele Neuerungen und Veränderungen angekündigt. In einem offenen Brief hat Festivalgründer Florenz Schaffner im «Sonntag» (Ausgabe vom 23. November) seine Sorge um das Festival ausgedrückt und unter anderem kritisiert, dass im Dorf keine Vorstellungen mehr stattfinden, nur noch auf dem Berg. Weiter warf Schaffner dem Festivalleiter vor, dass er den Zeitaufwand für die Leitung unterschätzt habe.

Jetzt hat der Angegriffene reagiert und gegenüber dem «Sonntag» zugegeben: «Wir sind immer noch am Suchen nach der optimalen Lösung.» Baumann wollte mit der Konzentration auf den Berg das Zelt als einmaliges Markenzeichen noch mehr herausheben. Dazu liessen sich durch die Konzentration auf einen Schauplatz Kosten sparen. Was dabei zu wenig bedacht wurde: Die Vorstellungen im Dorf haben früher vielen Künstlern genau den intimen Rahmen für einen erfolgreichen Auftritt geboten, der im grossen Zelt fraglich gewesen wäre. Ganz zu schweigen von den beliebten und teilweise auch gewagten Late-Night-Vorstellungen, die ersatzlos gestrichen wurden.

Dass dieser Entscheid ein Fehler war, hat nun offenbar auch Frank Baumann gemerkt. Der umstrittene Festivalleiter verspricht jedenfalls gegenüber dem «Sonntag», dass «im nächsten Jahr abends wieder im Dorf unten» gespielt werde – wo auch immer. Ein erster Testlauf Freitagnacht im Hotel Kulm war jedenfalls ein Fingerzeig. Und Animation müsse natürlich auch wieder her.

Baumann räumt dazu auch frank und frei ein, dass er zunächst «vielleicht einiges unterschätzt» habe: «Ich weiss durchaus nicht alles besser und lasse mich auch belehren.» So habe er einen ganzen Rattenschwanz von logistischen Problemen, welche diese Zeltkonzentration mit sich bringe, zu wenig bedacht. Die logistischen Schwierigkeiten würden allerdings von der neuen Festivalcrew hervorragend gemeistert.

Hinter andern Neuerungen kann Baumann hingegen voll und ganz stehen. Vor allem hinter den neuen Auszeichnungen. Da wäre einmal die Arosa Humorschaufel (siehe Kasten). Und der beste Künstler soll nach der «Gefrorenen Zeltblache» und dem «Schneestern» neu mit dem Arosa «Humor-Füller» prämiert werden. «Statt einer klobigen Skulptur, die bestenfalls verstaubt, in einigen Fällen aber auch schon im Sperrmüll entsorgt wurde, möchten wir den Gewinner animieren, mit dem Füller seine Gedankenblitze festzuhalten», so Baumann. Neu kann das Publikum per SMS abstimmen – dabei geht es aber nur um einen Wettbewerbsgewinn; die eigentliche Erkürung nimmt eine Fachjury vor.

Wer weiss, vielleicht wird ja der Arosa-Füller dereinst so berühmt wie etwa der Goldene Leopard. Wenn einer das Zeug hat, Arosa ausserhalb der Kleinkunstszene doch noch zu vergleichbarer Reputation zu bringen wie Locarno beim Film oder Montreux beim Jazz, dann Baumann.

Eine weitere ErneuerunG, das Vorziehen der TV-Aufzeichnung an den Start des Festivals, ist zumindest bei den Hoteliers gut angekommen: «Jetzt können wir endlich gescheite Wochenpackages zusammenstellen», meint Hitsch Leu vom Hotel Eden. Und Thomas Blatter vom Hotel Bellavista spricht von 60 Prozent Zunahme bei den Arrangements.

Ob sich aber so viele Besucher anziehen lassen, um die über 2500 Plätze der drei täglichen Vorstellungen einigermassen zu füllen, bleibt fraglich. Das Festival kann zwar schon zur Eröffnung mit 12 500 Zuschauern einen neuen Rekord vermelden.

Doch gibt es auch eine andere Sicht: weil die Anzahl der Plätze insgesamt fast verdoppelt wurde, ist zu Beginn des Festivals erst gut die Hälfte der Billette abgesetzt; selten waren so wenige Vorstellungen ausverkauft, an einigen Wochentagen sind erst 200 bis 300 Plätze besetzt. Deshalb wurden auch kurzfristig Ticketaktionen lanciert. Einladungen an Schulen, Sportvereine, Firmen und Thailand-Reisende . . .

«Wir sind immer noch am Suchen nach der optimalen Lösung. Ich weiss durchaus nicht alles besser.»
(Text: Peter Hummel / Bild: G.Bachmann)

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