Tagebuch
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18.07.2002
Böser Brief

Damit man mal sieht, dass wir nicht nur nette Fanpost bekommen, hier mal ein Müsterchen der anderen Art:
«In den Kopf gestiegen»
Sehr geehrte Frau Nadeschkin ,
Als glühender Verehrer und Fan aller Darbietungen von Ursus & Nadeschkin wollte mir meine Tochter zu meinem 65. Geburtstag eine besondere Freude machen mit einem Postkartenautogramm von Nadeschkin anlässlich der Einrichtung des Circus Knies in Aarau, wo sich meine Tochter am 12.7. in privater Angelegenheit kurz aufgehalten hatte.
Die schnodderige Art wie dabei die scheinbar so lustige Nadeschkin ihr gegenübertrat hat mich bewogen auf einen solchen Geburtstagsgruss wohlweislich zu verzichten.
Bühne ist halt nicht identisch mit privat und solche Leute mag ich nicht ausstehen, was ja auch dieser Nadeschkin total egal sein wird, ebenso das Wegfallen eines ehemaligen Fans.
Bleibt die bittere Erkenntnis dass die ganze gute Show reines Business ist und nicht die Seele einer Person widerspiegelt.
mit freundlichen Grüssen
Hans Stemmer, Obermumpf
Antwort:
Sehr geehrter Hans Stemmer
Es tut mir leid, dass meine schnoddrige Art an jenem 12.7. gerade Ihre Tochter getroffen hat. Leider ist es so, dass ich an jenem Tag, von Autogrammsuchenden schon früh morgens aus dem Bett geholt wurde und in der Folge über den Tag verteilt erneut und fleissig bestimmt mehr als 100 Autogramme und Unterschriften und Föteli zusammen mit mir unbekannten Fans machen durfte, so wie an jedem anderen Tag auch, während, vor und nach den zwei Vorstellungen.
Als nun ihre Tochter so schnell, schnell zwischen den Wohnwagen nach dem besagten Autogramm fragte, war ich gerade zu spät unterwegs zu einem Interviewtermin, also in Eile und hatte selber nichts zum Schreiben, geschweige denn eine Autogrammkarte dabei. Auch war mir in dem Moment nicht blitzartig bewusst, wie wichtig dieses Autogramm für Sie sein würde, da ich Sie ja auch gar nicht kenne.
Vielleicht ist es besser, wenn Sie das nächste Mal selber vorbeikommen, um mich in einem besseren Moment zu erwischen. Dies ist grundsätzlich wahrscheinlicher, als jener Sekundenkontakt, den ich mit Ihrer Tochter teilte.
Oder aber, Sie überlegen sich, bevor Sie böse Mails schreiben, wie so ein Alltag aus der anderen Perspektive aussehen könnte, wenn plötzlich Alle irgendwie etwas von einem wollen, weil - wie das im Zirkus leider so ist - nicht klare Grenzen gezogen werden, zwischen Privat und Beruf, was im Falle von Aarau heisst: Unsere Wohnwagen standen direkt beim Zelt, und wir waren somit immer und für Alle abkömmlich und erreichbar!
Ansonsten verbleibe ich mit freundlichen Grüssen schnoddrig, und - wie sie meinen, mit dem Gegenteil einer «guten Seele»
Nadeschkin, Zirkus Knie

